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Seite 1 von 1 [ 5 Beiträge ]
Beitrag Beitrag erstellt am Mi 15. Jan 2014, 18:30,  Dathomir

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Dathomir
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Der Planet Dathomir ist ein wenig erforschter Planet im Äußeren Rand. Den wenigen Personen, die ihn kennen, gilt er als Juwel mit beeindruckender Landschaft, weitgehend naturbelassen und frei von Großstädten. Die Oberfläche selbst besteht aus drei Kontinenten, die über einen gewaltigen Ozean voneinander getrennt sind. Ein einzigartiges Ökosystem sorgt für gemäßigtes, aber sehr variables Klima und lässt den Planeten von weitläufigen Gebirgen bis über Wüsten und dichteste Wälder reichen, mit Bäumen, die bis zu achtzig Meter in den Himmel ragen. Legenden besagen außerdem, die Natur sei so speziall, dass einem auf Dathomir die Macht im Wind zuflüstere.

Auf dem dünn besiedelten Planeten existiert nur wenig intelligentes Leben. Die machtgebabten Nachtschwestern - weithin auch als „Hexen von Dathomir“ bekannt - stellen das einzige einheimische Volk dar und werden seit der Gründung des Imperiums auf dem Planeten festgehalten. Der damalige imperiale Admiral Zsinj errichtete, um der Bedrohung durch sie zu begegnen, eine Blockade um den Planeten und ließ jedes flugfähige Raumschiff zerstören, so dass keine der Dathomir-Hexen den Planeten jemals verlassen konnte. Palpatine belohnte ihn daraufhin mit der Beförderung zum Großmoff und übergab ihm ein Executor-Schlachtschiff. Später errichtete Zsinj im Orbit des Planeten eine Raumstation mit Schiffswerft, die sein geheimes Hauptquartier werden sollte. Von dort aus regierte er schließlich seinen Obersektor. Die sogenannte „Rancor-Basis“ blieb auch nach der Schlacht von Endor das Nervenzentrum von Zsinjs neu gegründetem Reich, nachdem er sich vom Galaktischen Imperium abgespalten hatte.

Zahlreiche bedrohliche Tiere bewohnen jedoch auch den Planeten, nicht zuletzt sind die riesigen Rancors gefürchtet, die auf Dathomir bis zu zehn Meter groß werden können, möglicherweise aufgrund der geringen Schwerkraft. Die Nachtschwestern zähmen diese Riesen und benutzen sie als beeindruckende Reittiere.


 
Beitrag Beitrag erstellt am Mi 15. Jan 2014, 18:44,  Re: Dathomir

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Die Geschäfte liefen gut. Das war natürlich keine Überraschung. Es war die Zeit für clevere, gewiefte Geschäftsmänner, die aus dem Unorthodoxen heraus in dieser komplexen galaktischen Situation noch das Gespür besaßen, um solide und seriös wirtschaften zu können, seine Streitkräfte zu versorgen und sogar auszubauen. Zsinj war zweifellos einer dieser Männer. Auch wenn das nur wenige in der Galaxis so bestätigen würden. Das aufgedunsene Gesicht des Kriegsherrn verzog sich zu einem Lächeln und der extravagante Bart Zsinjs streichelte seine Wangen. Er zog an einer absurden Cigarra-Konstruktion, die es ihm gestattete, mehrere Stängel gleichzeitig zu rauchen. Dekadent? Zweifellos. Beabsichtigte er, diesen Eindruck nach außen hin zu erwecken? Natürlich. Es war nicht immer leicht, beständig die Tarnung aufrecht zu erhalten, ein kleiner, ignorierenswerter Fisch im großen Strom der Galaxis zu sein. Er hatte Schwäche vorgetäuscht, indem er nach der Schlacht von Endor diplomatische Fühler zur neu gegründeten Republik sowie allen anderen danach entstehenden Parteien ausgestreckt hatte. Unschwer war zu erkennen, für wie bedeutungslos man ihn hielt und ihm nichts zutraute. Wohl auch deshalb ignorierte die Republik ihn bislang vollständig, so dass man von einer Art Tolerierung, ja vielleicht einem Waffenstillstand sprechen mochte. Nicht dass es einen Vertrag gab oder jemals geben würde. Und selbst wenn, würde dieser sich in dem Moment überholen, in dem Zsinj im Nichteinhalten einen Zugewinn sah.

Im Gegensatz zu seinen Konkurrenten war er nicht darauf angewiesen, andere Parteien oder Planeten zu überfallen, um seine Finanzen zu sanieren. Die Einnahmen sprudelten. Die zahlreichen Netzwerke überall in der Galaxis, die Geschäftskontakte, Scheinfirmen, Tarnnamen. All das zahlte sich jetzt aus. Vielleicht war es ein wenig ein Jammer, dass erst das Imperium untergehen musste, ehe er die vollen Vorzüge seiner Geschäfte im Vergleich zu anderen ernten konnte. Aber das Bedauern seitens Zsinjs dauerte lediglich einen Wimpernschlag an. Im Grunde hatte er ja mit seinen Vorkehrungen gerade darauf spekuliert. Bald schon würden seine Kassen noch weiter sprudeln. Das Schicksal hatte Zsinj begünstigt – nicht nur im Hinblick auf seinen vibromesserscharfen Verstand. In seiner Nähe lag einer der lukrativsten Gebiete der Galaxis, der Korporationssektor. Zufälligerweise führten die größten Transitrouten in den Sektor mitten durch Zsinjs Herrschaftsgebiet und somit war der Korporationssektor darauf angewiesen, dass er seine Grenzen offen hielt. Wo einige darin ein Problem sehen mochten, wenn sie Skrupel besaßen, sahen andere darin einen unschätzbaren Vorteil, bot es doch ein hervorragendes Argument für… nun… Zusammenarbeit. Hunderte Firmen mit weiteren Verbindungen in die gesamte Galaxis. Das Spinnennetz würde noch breiter werden und die Einnahmen durch den Handel mochten Zsinj vielleicht bald zum reichsten Mann der Galaxis machen. Das war zwar nicht das Wichtigste – auch wenn es ein durchaus angenehmer Nebeneffekt war -, aber ein praktischer Schritt für die Verwirklichung seiner Ziele. Welche auch immer er sich setzen würde. Man würde es sehen. Vorher stand noch jemand im Weg. Ein Widersacher, den es auszuschalten galt. Auf die eine oder andere Art.

Zsinj wandte sich dem großen Panoramafenster vor ihm zu, das ihm einen Blick auf Dathomir bot. Serenno mochte die Hauptwelt seines Reiches sein, doch der militärische Kopf saß in seiner Rancor-Basis hier im Orbit Dathomirs. Wunderschön strahlte die Sonne die Seite des Planeten an, beleuchtete die Werft in seinem Blickbereich und ließ die weit entfernten Panzerplatten der Iron Fist herrlich glänzen. Ein Bild, das ein Holobuch nicht schöner hätte zeigen können. Zsinjs scheinbare Schwäche war nur positiv. Jedenfalls im Moment. Im Vergleich zu den meisten anderen Parteien wurde er mit jedem Tag mächtiger – wie auch die Republik. Durch die Zerschlagung des Imperiums profitierten jedoch auch Zsinjs Untergrundorganisationen auf imperialen, aber auch auf republikanischen Welten, die weniger stark bewacht werden konnten, da die Republik immer mehr Material an die Front verlegen musste. Der Kriegsherr hatte keinen Zweifel daran, dass die Republik bald eine Großoffensive starten würde. Sie musste die Schwäche des Imperiums ausnutzen, solange es am Abgrund taumelte, um nicht nach einigen Monaten der Konsolidierung schließlich wie die Made, die sie tatsächlich war, zerschmettert zu werden. So musste die Republik sich zwangsläufig allein dem Imperium widmen und die imperialen Abspalter ignorieren, um nicht in einen Mehrfrontenkrieg zu geraten. Und das Imperium selbst? Zsinj gluckste. Geführt von einem Pestage, der vielleicht ein Organisator war – ein hervorragender sogar -, niemals aber ein Macher. Ein Imperium konnte man aber nicht konservieren, man musste schaffen. Ideen kreieren und fortentwickeln. Wie er, Zsinj. Auch wenn er realistisch genug war zu wissen, dass ihm das Privileg, über das Imperium zu herrschen niemals zuteilwerden würde. Trotzdem, Pestage war ein Mann der Gegenwart, doch ein Imperium benötigte einen Mann der Zukunft. Vesperum war wohl ein solcher gewesen, jedenfalls schien es so. Kein Wunder also, dass manche ihn zurücksehnten, auch wenn das in Anbetracht seiner Identität als Machtbegabter nicht einer gewissen Ironie entbehrte. Wahrscheinlich zeigte das aber ganz gut, in welch desolatem Zustand das sogenannte „Galaktische“ Imperium derzeit war. Nur noch ein Abziehbild alter Stärke. Auf lange Sicht würde es gegen die sogenannte Republik nicht bestehen können, nicht ohne Hilfe von außen. Dafür war es im Inneren zu schwach, zu zerstritten. Doch Zsinj konnte warten.

Irgendwann würde die Zeit kommen. Irgendwann würde die Galaxis ihn herausfordern – oder nein: Er würde sie herausfordern. Solange musste er nun einmal die Rolle spielen, die er inzwischen perfektioniert hatte. Und dann erst mochten die, die ihn jetzt noch belächelten, erkennen, wie sehr sie sich in ihm getäuscht hatten. Aber erst, wenn es zu spät war. Zsinjs Bart sträubte sich erneut, als seine Lippen sich zu einem Lächeln verformten. Und irgendwie hatte das Theaterspiel auch seinen ganz eigenen Reiz.


 
Beitrag Beitrag erstellt am Mi 7. Mai 2014, 10:14,  Re: Dathomir

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Klirrend stießen die beiden schwungvoll gestalteten Sektgläser aneinander, so dass ein kleiner Teil der prickelnden Flüssigkeit durch den Stoß aus dem Glas schwappte. Das schien indes nur einen der beiden Anwesenden zu stören. Alron Berrik saß etwas steif in seinem Stuhl, doch sein Gegenüber, Großmoff Zsinj, hatte darauf bestanden, dass die beiden zumindest ein Glas des herausragenden Sekts miteinander tranken. Die Unterhaltung mit Amber Ghazalah war ein paar Tage her und nun galt es, die unvermeidlichen Förmlichkeiten nach dem Deal hinter sich zu bringen. Bereits nach einem Schluck stellte Berrik jedoch sein Glas wieder auf dem Tisch ab und deutete somit an, dass er zu gehen gedachte. Er ließ sich nicht gerne auf solche Scharmützel ein. Zwar war er eine Art inoffizieller Repräsentant des Zsinj-Imperiums, aber diese Förmlichkeit hier mit seinem Auftrag- und Geldgeber – und mehr war Zsinj für ihn nicht – hatte nichts mit seiner eigentlichen Arbeit zu tun. Moral? Davon konnte er sich nichts kaufen. Ihn scherte nicht, ob sein Gegenüber morgen tot war, solange er morgen noch seinen Lohn überwies. Er musste dieses Treffen hier wohl hinnehmen, aber nicht für lang. Ein Schluck, gerade genug, um nicht unhöflich zu wirken, aber nicht genug, um irgendeinen emotionalen Bezug vermuten zu lassen, der nicht existent war. Besser wäre es, wenn er wieder an seinen Schreibtisch zurückkehren konnte, um seinen Dienst zu verrichten. Zumal Zsinj – dessen Wangen bereits eine leichte Rotfärbung besaßen, wenngleich manche behaupteten, dies sei ohnehin ein Dauerzustand – nicht unbedingt die Art der Gesellschaft war, die er im Privaten zwangsläufig zu pflegen gedachte. Diese wenige Zeit vertrieb er sich für gewöhnlich auf andere Weise, vor allem mit dem anderen Geschlecht. Auch wenn er dafür zahlen musste.
„Aber bitte, Alron“, flötete Zsinjs aufgeregte und gespielt enttäuschte Stimme unverblümt. „Wollen Sie wirklich schon gehen?“
„Ich fühle mich durch die Einladung geehrt, Großmoff. Aber meine Arbeit für Sie erledigt sich nicht von selbst.“
„Oh. Ja, natürlich. Nun denn…“
Der Großmoff nickte verständnisvoll, während er das Glas ungeschickt auf dem Tisch platzierte, lehnte sich kurz zurück und schob seinen Körper dann nach vorne, so als hätte er Schwung geholt, um überhaupt aus dem Stuhl zu kommen zu können.
„Sie haben mir gute Dienste geleistet, Alron. Ich bin mir sicher, Sie werden Ihren Bonus dafür angemessen finden.“
Ein diebisches Grinsen zeichnete sich auf dem aufgedunsenen Gesicht von Zsinj ab, bevor er freudig erregt in die Hände klatschte. Unmittelbar darauf zischte die Gleittüre in Berriks Rücken auf und eine elegante Frau trat in den Raum. Ein Bild von einer Frau! Jedenfalls empfand Berrik das, als er seinen Kopf zu ihr herumdrehte. Es war ihm schwer, ansatzweise ihr Alter zu bestimmen. Ihr schwarzes, langes Haar hing glatt vor den Schultern und glänzte facettenreich im künstlichen Licht. Nicht schlecht. Obwohl Berrik zugeben musste, dass er vielleicht schon ein paar wenig Hübschere gehabt hatte, kam er nicht umhin, sich zu fragen, ob der Großmoff die Frau nicht doch ganz bewusst nach seinem Schema auserwählt hatte, was es ihm schwer machen sollte zu widerstehen. Das war dann wohl seine Form, sich zu bedanken. Er kannte Berriks Schwäche, wenn man es so nennen wollte, denn dies war wohl eine, der er bereitwillig nachgab. Auch wenn diese einseitige Form des Kontakts ihm letztlich nicht viel einbrachte. Letztlich war ihm klar, dass er charakterlich so tot war wie eine ausgesperrte Motte, die zwar doch eigentlich immer wieder aus naturgegebenem Trieb das Licht suchte, es aber doch nie erreichen würde. Zsinj mochte sich davon vielleicht etwas wie Treue erhoffen, doch diese Vokabel existierte in Berriks Wörterbuch nicht, sondern nur das Wort Pragmatismus. Für einen Moment war Berriks Maschine geneigt, den Moff darauf hinzuweisen, dass sein Geschenk daher sinnlos war, doch letztlich hätte das mehr ihm selbst den Abend verdorben als Zsinj. Daher erschien ihm das nicht zweckmäßig.

Die Frau trat näher an Berrik heran, gekleidet in ein bereits zum Teil halb-transparentes Kleid, das allerdings nur wenige seltene Einblicke bot. Während der Großmoff sich umdrehte, meinte Berrik zu erkennen, wie dessen breites Lächeln von einer Sekunde in die nächste unnatürlich schnell endete, doch war Berrik bereits zu abgelenkt davon, dass die ihn lasziv umkreisende Frau ihm mit ihren zarten Fingern einer Hand erst über die eine, dann über die andere Schulter strich. Gerade so registrierte er, wie die Tür hinter Zsinj zuglitt und dieser die beiden allein ließ. Nun, immerhin wusste er, wann er wirklich störte. Aus großen, dunklen Augen fokussierte die Frau Berrik, als sie ihn zwei Mal umrundet hatte und trat so nah an ihn heran, dass er ihren Atem auf seiner Haut spüren konnte.
„Mehr als angemessen. Sehr großzügig“, antwortete er Zsinj schließlich, auch wenn dieser längst fort war. Er erntete dafür ein hübsches Lächeln der Frau, vielleicht über das von ihm zum Teil beabsichtigte Kompliment an ihr, aber er hatte genug Kenntnis von Mimik, dass er erkannte, dass das allenfalls ein nebensächlicher Grund war, wenngleich er nicht verstand, was sie dann primär dazu veranlasst haben konnte. Seine Gedanken verflüchtigten sich allerdings schnell, als die Frau begann, mit einer Hand ihre Haare nach hinten zu schieben, um ihre vom Kleid nicht verdeckten, strammen Schultern davon zu entblößen.
„Du hast ihm gut gedient“, sprach die Frau leise, noch immer leicht lächelnd, aber wie gewöhnlich bei solchen beruflichen Dingen mit einer offenbar professionellen Distanz zu ihrem Kunden. Berrik zuckte lediglich die Schultern. Er war nicht zum Schwatzen hier. Seine groben Finger versuchten, das Gesicht der Frau zu fassen, doch plötzlich schnellte eine ihrer Hände hoch und hinderte ihn daran, sie anzufassen. Widerspenstig? Das versprach… interessant zu werden.

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Berrik wollte gerade einen gespielten, tadelnden Kommentar ablassen, als sich das Handgelenk der Frau ruckartig drehte und mit ihm seine eigene Hand. Reaktionslos betrachtete die Frau, wie es in Berriks Fingern knackte und dieser unter Schmerzen ungläubig aufschrie. Mit einer einzigen Bewegung hatte sie einen Schritt zur Seite gemacht, auch den anderen Arm gepackt und diesen so nach hinten gebogen, dass Berrik sich kaum mehr bewegen konnte, ohne sich selbst eine Schulter auszukugeln oder den Arm zu brechen. Die Frau stand jetzt in Berriks Rücken und drückte ein metallisches Objekt gegen sein Becken. Als er den Druck spürte, fror er sofort in seiner Bewegung ein und leistete keinen Widerstand mehr. Sie schob das Objekt in seiner Hüfthöhe seitwärts, bis es ihn nicht mehr berührte, dann bohrte sich ein gleißendes Licht durch seinen Anzugstoff und eine leuchtende Klinge streckte sich neben Berriks Hüfte hinauf zu seinem Hals, wo die Klingenspitze nur wenige Zentimeter neben seiner Halsschlagader zum Stillstand kam und dort gierig lauerte. Ein Surren ging durch den Raum. Wo er sonst immer die Kontrolle gehabt hatte und der Puppenspieler gewesen war, erkannte Berrik, dass er sowohl im großen als auch im kleinen Maßstab hier selbst nur die Puppe war, die austauschbar und entbehrlich wurde. Im Großen war es Zsinj, der – was Berrik jedoch immer klar war – ihn als vermeintlicher Weggefährte stets von oben gelenkt und gesteuert hatte, aber nun auch in dieser konkreten Situation hier in diesem Raum war er nun selbst der Machtlose. Berrik hatte nicht mehr die Macht über Menschen, nicht mehr die Kontrolle, die er benötigte, um nicht die Fassung zu verlieren. Das grelle Licht des Schwertes sengte an seinen kurz rasierten Bartstoppeln, ein kleines Zucken seinerseits hätte ihn bereits schwer verletzten können.
„Du hast ihm gut gedient“, wisperten die Lippen der Frau in sein linkes Ohr und schienen dabei zu seinem Verdruss einen besonderen Wert darauf zu legen, dass das kein gegenwärtiger, sondern nunmehr ein vergangener Status war.
„Eure Zusammenarbeit ist hiermit vorüber.“
Das Schwert schob sich ein Stück weit von Berriks Hals fort, so als würde die Frau zum Schlag ausholen, dann raste es wieder in seine Richtung.
„Nein, bitte!“, schrie Berrik instinktiv auf, als die sorgsam trainierte Fassade im Angesicht des Todes abfiel und der so hart verborgene Mensch dahinter zum Vorschein kam. Die feinen Lippen der Frau verzogen sich zu einem befriedigten Lächeln. Sie stoppte das Schwert wenige Zentimeter vor dem Hals erneut und strich ihm mit der freien Hand sanft über die linke Wange, fast als streichle sie ein kleines Jax, das gerade etwas richtig gemacht hatte. Doch kurz darauf drehte sie das Schwert um ein paar Grad so, dass Berrik die Klinge direkt vor seinen Augen sah.
„Dein Arrangement mit dem Großmoff hat niemals stattgefunden“, stellte sie fest. Es war keine Frage, keine Bitte. Es war eine Feststellung, ein Fakt, der nicht zu leugnen war und den kein Mensch in diesem Moment vernünftigerweise in Frage gestellt hätte.
„V-Verstanden.“
„Verlierst du jemals wieder in deinem Leben ein Wort darüber, so werde ich auch dort sein.“
Sie und ihr Schwert, das sich ihm entgegenreckte und nur scheinbar widerwillig von seinem Gesicht Abstand hielt, als ziehe dieses die Lichtwaffe geradezu an. Und plötzlich war ihm klar, wer dort hinter ihm stand, bereit sein Leben zu beenden, sollte sie irgendeinen Zweifel daran haben, dass er dieser Aufforderung nicht nachkam.
„Ihr seid… Lanu Pasiq?“, keuchte Berrik entsetzt.
„Korrekt.“
Der Mann schluckte hart. Würde Zsinj wirklich seine Inquisitorin auf ihn ansetzen, nur damit er nicht plauderte? Nun gut, Berrik wusste, dass es um seine eigenen Ideale wenig weit bestellt war und eigentlich nur ein richtiges Angebot kommen musste, eines, in dem sein Uhrwerk ebenso unbehelligt funktionieren konnte wie in dem unter Zsinj bisher. Bis zu diesem Moment. Inquisitoren waren darauf ausgebildet, unliebsame Gestalten in der Galaxis zu finden und zu vernichten. Die Galaxis war groß, sehr groß, aber es gab eigenartige Gerüchte über die Inquisitorin in Zsinjs Streitkräften. Es musste Zsinj wichtig sein, dass es nicht die Runde machte, dass er sich mit der Republik getroffen hatte, geschweige denn, das er ihr vertrauliche Informationen hatte zukommen lassen. Wenn die Republik das behauptete, konnte er das problemlos dementieren. Wenn es ein ehemaliger Mitarbeiter behauptete, wurde das weitaus schwieriger.
„Ich werde dich finden“, hauchte sie erneut. „Meine Verbündeten sind die Schatten, die dir folgen. Das Licht, das dich blendet. Wohin du auch gehst, du wirst niemals entkommen.“
„Ich schwöre, ich werde niemandem etwas erzählen“, sagte die Drohne Berrik und versuchte dabei, selbstbewusst zu wirken. Ein Fehler.
„Gewiss. Dennoch möchte ich, dass du dich immer an diesen Schwur erinnerst. Und an mich.“
Lanu Pasiq kippte ihr Lichtschwert erneut um ein paar Grad, bis es bedrohlich nahe an seiner linken Augenhöhle lag. In Berriks Magen zog es sofort und er versuchte instinktiv zurückzuweichen, doch die Frau ließ es mit ihrem Griff nicht zu. Bald sah er nur noch das gleißende Licht der Klinge vor seinem linken Auge. Knisternd verbrannten seine Wimpern an dem Strahl und schließlich vollführte die Inquisitorin zwei rasche Schnitte nach oben und unten, die sich in Stirn- und Jochbein fraßen. Berrik schloss das Auge, das sich sofort zu verflüssigen begann, doch eigenartigerweise spürte er keinen Schmerz mehr. War es der Schock? Berrik fühlte, wie ihm kurz schwarz vor Augen wurde und ihn der Schwindel zu übermannen drohte. Der Körper wurde schwer. Mit einem Zischen hatte die Schwertklinge die oberflächlichen Schnitte sofort wieder kauterisiert und stülpte die zerstörte Haut nach außen. Eine dicke Narbe würde auf ewig bleiben und sein Gesicht zieren. Die Klinge Pasiqs senkte sich.
„Der Großmoff würdigt hiermit deine erfolgreichen Dienste in seiner Obhut.“
Im ersten Moment hatte Berrik in seinen verschwommenen Gedanken gedacht, dass Lanu Pasiq einen höhnischen Scherz machte, doch anhand ihrer Tonlage wurde ihm schnell klar, dass es ohne jeden Zweifel die Wahrheit war. Seinen Diensten als einfache Maschine, seiner Routine und seiner Diskretion war es geschuldet, dass Zsinj ihn nicht einfach umbringen ließ. Es gab keinen anderen Grund. Er hoffte nur, dass Lanu Pasiq sich auch daran hielt, deren Tonfall andeutete, dass sie die Meinung des Großmoffs offenbar nicht teilte und Berrik lieber tot sehen würde. Für diesen hatte das Ganze aber nichts Persönliches, es war Geschäft. Wie immer. Nur dieses Mal nicht mit anderen, sondern mit ihm, Berrik, selbst als Objekt – und das war das Neue an der Situation. Letztlich war das selbst aus seiner eigenen Sicht nur logisch. So wie er über Schicksale entschieden hatte, ohne mit der Wimper zu zucken, musste es auch Zsinj tun, um seine Interessen zu schützen. Doch war der exzentrische Großmoff überhaupt zu so viel Fingerspitzengefühl in der Lage? Man konnte nicht abstreiten, dass er meistens sehr plump wirkte und nicht wenige würden behaupten, er hatte mehr Glück als Verstand.

Berrik rätselte in seinem üblichen Repertoire noch erfolglos über eine angemessene Antwort in einer so unkonventionellen Situation, als Lanu Pasiq plötzlich an seine Schulter griff und ihn zwang, sich zu ihr herumzudrehen. Ihre dunklen Pupillen betrachteten ihr Werk aufmerksam und zufrieden, aber Berrik hatte sofort den Eindruck, dass sie ihn nicht nur deswegen musterte. Er versuchte, nicht zu zittern.
„Nachdem er seinen Standpunkt klargemacht hat, können wir nun zum interessanteren Teil übergehen“, sagte sie, während die Klinge in den Griff zurückglitt und sie diesen schlichtweg unter sich auf den edel verlegten Teppichboden fallen ließ. Die flinken Finger der Frau öffneten den oberen Verschluss seines Anzugs. Er fragte sich zwar, ob das wirklich noch zum Geschenk des Großmoffs gehörte oder nun nicht doch eher eine eigenwillige Auslegung von Pasiq selbst war. Zumindest aber war er nicht in der Lage, sich zu wehren. Oder vielleicht wollte er es auch nicht. Welche Ironie. Der Mann, der sonst Frauen mit Geld seinem Willen unterwarf, wurde nun selbst unterworfen, ohne etwas dafür zu erhalten. In Pasiqs Handeln steckte keine Rationalität, und auch keine Ideale, sondern nur die ungebremste Emotion. Und Emotion entwaffnete ihn. Hatte sie den Mann gebrochen? Kaum. Es war nur ein Moment. Vielleicht war es keine dauerhafte Lektion, die genügte, um die Natur in den Menschen zurückzubringen und die Maschine in ihm zu zerstören, doch eines würde er so oder so nie in seinem Leben vergessen. Den Namen Lanu Pasiq.


 
Beitrag Beitrag erstellt am Di 22. Jul 2014, 21:19,  Re: Dathomir

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„Und was habe ich davon, Kriegsherr?“, fragte die bläuliche Gestalt im Holo-Projektor. Erwartbar. So erwartbar. Es ging darum, immer nur darum. Ganz gleich, wen man in dieser Galaxis fragte, es war immer nur eine Frage des Preises. Jeder hatte einen Preis. Jeder. Idealisten waren in der Regel nur solche Leute, die noch nicht herausgefunden hatten, wie hoch ihrer war, oder solche, denen bisher schlichtweg noch niemand ein Angebot gemacht hatte. Beides war leicht zu kontrollieren, wenn man wollte. Und wenn man ein Gespür hatte. Es gab Leute, die dies hatten und die sehr genau abschätzen konnten, wie weit sie gehen konnten.
„Sie verletzen mich. Ich hatte erwartet, meine Sympathie wäre ausreichend“, spielte Großmoff Zsinj gekränkt, ohne sich jedoch ein abstoßendes Grinsen aus dem fetten Gesicht zu zaubern. Er wollte, dass der andere es auch gut sehen konnte. Manchmal konnte er einfach nicht anders. Manchmal wurde er schlichtweg wieder zu dem Kind, das es so sehr liebte, mit seinen kleinen Tieren zu spielen, welche so unwissend und anders waren, die gar nicht verstanden, was er mit ihnen tat. Man musste nur gehen, wie weit man gehen konnte. Wenn man diesen Punkt abschätzen konnte und wusste, wie weit man den Bogen spannen konnte, ehe eine Person umschlug, konnte man viel erreichen, sehr viel. Neben der eigenen Belustigung auch seine Ziele, auf die man so oder so hinarbeite.
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„Sparen Sie sich die Scherze“, antwortete der abgespaltene Admiral Terrinald Screed und seine Augenprothese funkelte bedrohlich. „Meine Zeit und meine Geduld sind begrenzt, wenn…“
„Die Hälfte meiner Einnahmen aus dem Handel mit dem Korporationssektor.“
Das war natürlich gelogen. Aber das spielte keine Rolle. Zsinj sah, wie sein Gegenüber stockte, selbst in der vergleichsweisen schlechten Bildübertragung des bläulich schimmernden Hologramms. Der ältere Mann hatte es nicht erwartet. Auch wenn er es versuchte zu verbergen, so musste man nur wissen, worauf man achtete. Doch nach einigen Sekunden des Schweigens wurde ihm wohl bewusst, dass es wenig Sinn hatte, diese Scharade aufrecht zu halten.
„Sie wollen Ihre Handelseinnahmen aus dem Korporationssektor zu meinen Gunsten halbieren?, fragte Screed skeptisch, um sich zu vergewissern, dass er seinen Gesprächspartner korrekt verstanden hatte.
„Nein, ich will es nicht. Aber ich kann es. Wenn wir den gesamten Import und Export nach bzw. in den Korporationssektor kontrollieren, bleibt mehr als genug für uns beide übrig. Und es ist nur gerecht. Wir wären dann schließlich gleichberechtigte Partner in unserer Allianz.“
Das war natürlich gelogen. In Anbetracht der militärischen und wirtschaftlichen Stärke war im Grunde klar, wer der Chef in dieser Allianz sein würde. Selbstredend würde Zsinj mit seinen zahlreichen verdeckten Identitäten, Geheimverträgen und Verschwiegenheitsklauseln dafür sorgen, dass der beweisbare Handel mit dem Korporationssektor nur einen Bruchteil dessen darstellte, was er eigentlich verdiente. Screed würde allenfalls den Stück eines Krümels erhalten, während er vom großen Kuchen gar nichts wusste. Nicht zuletzt, damit sein Partner auch nicht korrekt einschätzen konnte, welchen Bedarf und welche Stärke das Reich von Zsinj tatsächlich hatte. Jeder hielt ihn für kleiner als er tatsächlich war. So würde Screed weiterhin Schlüsse ziehen – welche auch immer das sein mochten –, aber immer aufgrund falscher Voraussetzungen. Zumindest wenn er Zsinj einigermaßen traute. Was er natürlich zunächst nicht tun würde, aber dann spielte die Täuschung ohnehin keine Rolle. Täuschung war schlichtweg die brillanteste aller Waffen. Nur die Cleveren. durchschauten eine Täuschung – und selbst wenn, würde der geschickte Täuscher zwar nicht gewinnen, durch seine Täuschung aber auch nichts verlieren. Es würde sich in der Zukunft zeigen, von welcher Sorte Admiral Screed sein würde.
„Ich verstehe. Und Sie versichern mir, dass Sie Ihr Handeln weiterhin auf der Grundlage der Imperialen Charta fußen lassen?“
„Selbstverständlich!“, protestierte Zsinj und sprang geradezu empört auf, dass Admiral Screed das überhaupt in Frage zu stellen schien.
Das war natürlich gelogen. In diesem Moment hätte er Screed alles versprochen, was dieser an Bedingungen gestellt hätte, wohlwissend, dass ein realistischer Einschätzer wie Screed keine irrationalen Bedingungen stellte, zumal die formale Annahme von Bedingungen noch nicht bedeutete, dass diese seitens Zsinj auch tatsächlich erfüllt wurden. Screed war derzeit das Tor zum Korporationssektor und Zsinj wollte durch dieses Tor schreiten – ob mit oder ohne Screed. Mit wäre günstiger. Also versuchte er es zunächst mit ihm. Schließlich setzte sich der Kriegsherr nach einigen Sekunden der gespielten Empörung wieder, wobei er dafür Sorge trug, dass sein schweres Atmen durch das Aufspringen gut im Sichtbereich des Holoempfängers zu sehen war. Wie ein eitler Geck strich er sich durch sein schütteres Haar, nachdem es vermeintlich in Unordnung geraten war. Schließlich räusperte er sich kurz und fuhr er mit leuchtenden Augen fort.
„Palpatine ist unser aller Maßstab. Als treusorgende Imperiale werden wir das Mögliche tun, um sein wahres Imperium wieder auferstehen zu lassen.“
Der Admiral verengte das gesunde Auge, wobei es dennoch so wirkte, als folge die Prothese diesem Beispiel. „Ich denke, Sie überschätzen Ihre Möglichkeiten etwas.“
„Ich bin mir meiner Möglichkeiten und Unmöglichkeiten sehr wohl bewusst“, lächelte Zsinj. „Ich kann den Handel des Korporationssektors schließlich nicht alleine kontrollieren.“
Das war natürlich gelogen. Er hätte es im Notfall tun können, aber es war unpraktisch und nicht ratsam. Es würde zu einem nicht sehr wünschenswerten Ausdünnen seiner Streitmacht führen – daher bevorzugte er, wenn stattdessen jemand anderes seine Streitmacht dafür ausdünnte. Das Ganze war deutlich einfacher, wenn sich jemand anderes darum kümmerte, zumindest so lange, bis sich ihre beiden Streitkräfte sich so weit vertrauten und untereinander durchmischt waren, dass sie sich schwerlich voneinander trennen ließen. Dann war es an der Zeit, Screed zu feuern. Am besten mit einer Kanone ins All.
„Wir werden sehen, Kriegsherr. Ich werde darüber nachdenken.“
„Gewiss, Admiral“, nickte der dicke Großmoff. „Lassen Sie meinen Kontaktmann wissen, wie Sie sich entschieden haben. Alle weiteren Details klären wir, falls Sie sich dafür entscheiden.“
So endete die Holokonferenz. Screed nickte knapp, dann erlosch das Holobild in wenigen Augenblicken. Es bestand kein Zweifel, dass er das Angebot annehmen würde. Im Gegensatz zu anderen hatte sich Zsinj nie wirklich vom Imperium distanziert, somit war sein Bekenntnis zur imperialen Ideologie glaubhaft, aber selbst wenn es anders gewesen wäre, war das Angebot fürstlich. Schon unter den Zahlen, die Screed nun durchrechnen lassen würde. Der Korporationssektor war das lukrativste Gebiet der gesamten Galaxis, Screed dagegen einer der angesehensten imperialen Militärs, die sich nach Endor abgespalten hatten. Zwei Vorteile zu einem kleinen Preis. Jemanden wie Screed zu sich ins Boot zu holen, würde Zsinjs Reputation bei unentschlossenen Imperialen, die nicht wussten, wo ihr Weg nach Endor lag, zweifellos bessern und vielleicht ein paar weitere Freiwillige zu ihm lotsen, zumindest aber die Hemmschwelle senken und somit ihren Preis mindern. Ja, letztlich lief es in der Tat immer darauf hinaus. Jeder hatte seinen Preis. Ein Preis, der von zahlreichen Umständen abhängig war und den man mit dem Jonglieren von verschiedenen Faktoren zu seinen eigenen Gunsten verbessern konnte, sofern man diese Faktoren richtig beeinflusste. Man musste lediglich aufpassen, nicht zu sorglos zu jonglieren, sonst passierte es leicht, dass einem etwas abhandenkam.
„Melvar?“, sprach Zsinj schließlich in das Kom-Gerät an seinem Tisch, die Stimme nun plötzlich weitaus weniger schrill, sondern völlig natürlich, der Atem gemäßigt und der Blick fokussiert.
„Ja, Kriegsherr?“, antwortete die tiefe Stimme seines Stellvertreters verzerrt aus dem Gerät.
„Lassen Sie Kontakt mit Ghazalah aufnehmen. Inoffiziell, versteht sich. Ich brauche noch einige dieser Typhoon-Fregatten. Nach dem, was mir die angefertigten Risszeichnungen sagen, eignen sie sich gut für das, was wir vorhaben. Bestenfalls um die hundert Exemplare, falls das möglich ist. Und ich möchte wissen, wie lange Forerunner für eine Lieferung dieser Größenordnung benötigen würden.“
Es dauerte einige Zeit, bis sich der Mann in der Leitung meldete. „Einhundert Fregatten? Das kostet.“
„Das ist mir bewusst. Teubbos Kalkulationen sehen darin kein Problem, wenn es sich so entwickelt wie gedacht. Es wird sich in diesem Fall schnell rechnen.“
„Gut, ich werde es veranlassen. Sonst noch etwas, Kriegsherr?“
„Nein“, antwortete der Kriegsherr und lehnte sich genüsslich in seinem Stuhl zurück. „Vergessen Sie nur nicht, auf unseren netten Rabatt hinzuweisen und sich dafür angemessen zu bedanken. Verwenden Sie dieses Mal das Muster Unterwürfigkeit. Sie wissen schon.“
„Natürlich. Auch wenn ich hoffe, dass wir dieses demütigende Theater bald beenden können.“
„Wir werden sehen, General. Ich werde darüber nachdenken.“
Natürlich echote er Screeds Worte damit bewusst. Alles war Theater. Ob man es nun spielen wollte oder nicht. Die Kameras waren versteckt, nein, es gab schlichtweg keine, aber zumindest gab es eine Person, der das Ganze Freude bereitete. Die meisten waren Komparsen, einige waren Darsteller und nur wenige waren Regisseur, nach dessen Stichwörtern die anderen handelten. Es war eine Schande, dass Melvar seine Passion zu diesem schönen Theaterstück nicht teilen konnte. Darsteller, die glaubten, Regisseure zu sein, waren letztlich immer die amüsantesten Beteiligten eines Stücks. Darsteller musste er bezahlen, auf die eine oder andere Art. Doch früher oder später würde jemand die unsichtbaren Fäden erkennen, an denen er hing, aber erst, wenn die Zeit reif war. Der Vorhang durfte nicht zu früh fallen, aber auch nicht zu spät. Die Inszenierung musste stimmen. Nur ein ungeduldiges Publikum würde es nicht erwarten können. Schlechtes Publikum war wahrlich eine Schande für jeden Künstler.


 
Beitrag Beitrag erstellt am Do 8. Jan 2015, 20:57,  Re: Dathomir

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Kriegsherr Zsinj lag auf einem massiven, aus allerlei Farben wild gemusterten Sofa, das sinnlos in der Mitte des ansonsten völlig leeren Raums stand und den Mann um das Vierfache seiner eigenen Größe überragte. Er putzte sich den Mund und mit besonderer Bedacht den gezwirbelten Schnurrbart ab und ließ die Serviette dann auf den Teller fallen, den einer seiner besonders kriecherischen Diener mit einer untertänigen Geste daraufhin forttrug. Ah ja, wie die alten Kaiser aus längst vergangenen Jahrtausenden. Das war gerade gut genug als Bild, das er nach draußen zu entsenden gedachte und zweifellos die Runde machen würde und auch sollte. Unvorbereitet, nur sich selbst und seinem Genuss gewidmet – eben ein dekadenter, aufgeblasener Wichtigtuer. Wichtigtuer belächelte man.

Als sich die Schiebetüre hinter dem Diener geschlossen hatte, setzte sich Zsinj langsam auf und klopfte ein Mal müde gegen seine Brust, als könne er damit seine Verdauung beschleunigen. Die erfolgreichen Meldungen von Null und Vulta waren heute in der Tat nur eine Randnotiz gewesen, aber zumindest schien alles glatt gegangen zu sein. Solange nicht klar war, wer dahintersteckte, war nun einmal alles glatt gegangen. Feinde, die für das Ganze in Betracht kamen, hatte das Imperium schließlich genug. Und mehr würde er selbst sich gegenüber dem Imperium nun ohnehin nicht mehr erlauben. Im Moment. Bis die Zeit reif war. Der heutige Tag war aus einem ganz anderen Tag ein Festtag.
„Sind Sie sicher, Kriegsherr? Nach dem Deal mit Ghazalah sollten wir vielleicht nicht unsere Finanzen für so etwas hergeben. Das könnte immerhin ein paar Reserven aufbrauchen, die wir spontan benötigen könnten. Ich glaube nicht, dass Teubbo das gefallen wird.“
Neben dem absurd großen Sofa stand Zsinjs Stellvertreter General Melvar und betrachtete skeptisch ein Datapad, das der Kriegsherr ihm vor seinem dekadenten Mahl zur Durchsicht ausgehändigt hatte. Dieser gähnte unterdrückt und versuchte aufzustehen, was jedoch erst beim zweiten Mal gelang. Nutzloser Körper.
„Ich denke, er wird seine Freude daran haben“, entgegnete Zsinj knapp. Wahrscheinlich nicht, dafür war der Hutte Teubbo zu sehr Ökonom, aber zumindest würde er, Zsinj, seine Freude daran haben. Und letztlich war es ja doch nur das, was eigentlich zählte.

Die verschollenen Kunstschätze von Eriadu, die während der großen Schlacht dort vor über einem Monat unauffindbar verschwunden waren, waren nun also endlich auf einem der extravaganteren Teile des Schwarzmarkts aufgetaucht. Zsinj hatte zahlreiche Beobachter darauf angesetzt, damit er diesen Moment abpassen konnte. Nun, nach einem Monat, war das Geld des Mannes, der die Schätze zu seinen undurchsichtigen Zwecken geraubt hatte, offenbar aufgebraucht und er versuchte, aus seiner Beute möglichst unauffällig und möglichst viel Kapital zu schlagen. Die einzelnen Gegenstände waren an verschiedensten Orten der Galaxis aufgetaucht und wurden nun moralfreien Sammlern feilgeboten, die schlichtweg zu viel Geld hatten und vielleicht auch den Reiz des Verbotenen damit auskosten wollten. Nicht einmal im Imperium konnten viele von sich behaupten, kostbare Raubkunst in ihren privaten Villen ausstellen zu können. War das der Grund für Zsinj? Selbstverständlich nicht. Es war eben ein Geschäft. Alles war ein Geschäft. Das Legale, wie das Illegale eben auch. Wer nicht erwischt wurde, für den war es schließlich ohnehin einerlei.
„Delvardus gibt sich allerdings große Mühe, seine Spuren zu verwischen“, sagte General Melvar, während er weiter das Datapad studierte. „Alle unsere Versuche, ihn über die Geschäfte ausfindig zu machen, sind bisher gescheitert. Erst letzte Woche haben wir fünf Agenten verloren. Er macht das recht clever und scheint sich gut versteckt zu haben.“
„Ein Jammer“, meinte Zsinj. Natürlich war es nur ein Jammer, dass sie den abtrünnigen Delvardus, der für die imperiale Niederlage auf Eriadu mitverantwortlich war, nicht gefunden hatten, der Rest war unwichtig. Agenten waren schließlich nicht teuer. „Aber wir werden ihn schon noch finden. Und ich bin zuversichtlich, dass die Information einigen Leuten im Imperium sehr viel Geld wert wäre. Es wird sich noch auszahlen, selbst wenn es dauert.“

Die Kunstbeute würde zu Delvardus führen, früher oder später. Jeder machte Fehler. Nun, die meisten jedenfalls. Aber letztlich war das nur der kleinere, der unwichtigere Teil. Delvardus war irrelevant, auch wenn Zsinj innerlich einräumte, dass die Idee mit dem Kunstraub von Eriadu ihn amüsierte. Vordergründig immer das Gute von Eriadu und dessen einflussreichen Familien vorgebend und am Ende waren diese nun der eigentliche Verlierer des Ganzen geworden. Seinen Kulturschätzen beraubt, eine Wirtschaftskrise vor der Tür aufgrund des Handelsverbots mit dem Imperium. Eriadu war ein Pulverfass geworden, aber sein Stolz und seine Arroganz waren natürlich ungebrochen. In solchen Zeiten war es immer wichtig, positive Meldungen vorbringen zu können, um Druck vom brodelnden Kessel zu nehmen. Nun ja, Zsinj würde sie ihnen geben. Mehr oder weniger.
„Welche Identität wäre für den Erwerb der Kunststücke angemessen?“, fragte er Melvar tonlos – eine Aufforderung, ihn mit einem angemessenen Vorschlag zu belustigen.
„Der Mon-Calamari-Geschäftsmann mit Hang zur Dramatik würde hier vermutlich sehr passend sein und darüber hinaus Ihren Geschmack treffen.“
Zsinjs Körper krümmte sich kurz, als der Mann sich ein spontanes Lachen verkniff, was nicht vollständig gelang, aber dazu führte, dass es mehr einem Glucksen glich. Ein Angehöriger der Spezies, die prozentual gesehen auf Eriadu die meisten Sklaven für reiche Familien stellte, erstand die gesammelte Beutekunst Eriadus? Perfekt. Wie herrlich ironisch die Galaxis doch sein konnte. Und wenn sie es einmal nicht von selbst war, dann machte man sie eben selber dazu.
„Sehr schön. Veranlassen Sie das, Melvar. Und vergessen Sie nicht: Jedes Stück. Es spielt keine Rolle, wie viel es mich im Moment kostet.“
„Die Stücke sind natürlich begehrt. Viel also.“
„Gut. Je teurer, desto mehr können wir dafür dann später verlangen. Notfalls treiben Sie den Preis noch etwas mit einer anderen Identität nach oben. Aber der Calamari muss den Zuschlag bekommen.“
Ein Mon Calamari, der die Beutekunst erstand, würde die Offiziellen auf Eriadu wahnsinnig und extrem nervös werden lassen. Einem solchen Alien ausgeliefert zu sein, musste aus deren Sicht unerträglich sein. Doch die Verzweiflung und die politische Lage auf dem Planeten würde sie dazu zwingen, ihr kulturelles Erbe zurückzukaufen, wenn man es ihnen anbot. Zu welchem Preis auch immer. Niemand wollte die wichtigsten und ältesten kulturellen Errungenschaften seines Volks verloren oder verschwunden wissen. Oder zur Belustigung eines reichen, wenn auch fiktiven Mon Calamari, der sich möglicherweise für die Sklaverei seiner Spezies an den Eriaduanern rächen wollte, zerstört wissen. Mit anderen Worten: Eriadu würde notfalls einfach alles zahlen, was nötig war, solange die Sammlung nur komplett war und sie sich im Anschluss an ihrer glorreichen Zeit aus der Vergangenheit sonnen konnten. Das Zehn-, ja vielleicht das Hundertfache des Preises, zu dem Zsinjs Identität es seinerzeits gekauft haben würde. Je teurer der Kauf für Zsinj wurde, desto mehr Profit machte er später mit Eriadu. Ja, manchmal war die Galaxis in der Tat herrlich ironisch.


 
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