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Beitrag Beitrag erstellt am Do 18. Mai 2017, 19:06,  Thule

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Thule



Thule ist ein semi-arider Planet, bekannt für seine reichen Savannen und großen Trockenflächen. Er wird ständig von starken Gewittern heimgesucht und war in der alten Zeit eine mächtige Sith-Festungswelt. Ferner durchziehen Thule bergartige Linien, die durch die starken Blitze dieser Welt nachhaltig geformt wurden. Teile der Welt sind von einem leuchtenden Moos bedeckt, welches in einem seltsamen Licht leuchtet, sobald ein Gewitter sich nähert. Auf dem Planeten finden sich noch bewohnte Städte, die vom Bergbau oder Abbau wertvollen Steinen leben. Archäologen werden auf dieser Welt in alten Sith-Anlagen fündig.


 
Beitrag Beitrag erstellt am Do 18. Mai 2017, 19:13,  Re: Thule

Dunkler Lord der Sith

Musik!

Es war das Blut, welches brodelte und sich krauchend durch die Adern bewegte; es verlangsamte seine Bewegungen, die in einer Zeitlosigkeit gefangen waren. Als Gläubiger an die dunkle Seite, konnte er die Macht spüren, sie sehen aber kaum noch ertragen. Es fiel ihm schwer, zu atmen, selbst diese Realität zu ertragen mit seinem Wesem darin. Sorzus Syn hatte ihm eine neue Welt versprochen. Eine neue Galaxis und doch schien der Preis inzwischen unsäglich. Ihm entglitt sein eigenes Bewusstsein in jene Welten zwischen Tod und Leben. Wenn dies ein neues Zuhause für seine Seele war, verfluchte er dieses Haus. Dieser kalte Zorn und der herrschende Hass schmerzten in ihm. Fühlte er Reue? Ja, er fühlte Reue. Mit dem Blick aus dem Panoramafenster des Sternzerstörers "Imperial Dawn", jener Observationsbrücke über der regulären Brücke, wollte er seinen Weg sehen. Die Reise, die er seit seiner Geburt begonnen hatte und die ihn immer weiter in die Abgründe dieser Dimensionen führte. Er war der böse König, der Mächtige und doch der Verlorene. Wäre es einfach, nun einfach zu gehen? Der Sith hatte soviel getan, so wenig erreicht und doch schien der Weg endlos in eine Richtung zu strahlen, damit es am Ende etwas wert war. Es gab niemals eine Umkehr für eine dunkle Seele. Das Eingeständnis, dass er sich selbst getötet hatte und nur der reale Tod fehlte, wog schwer auf seinen Schultern. Der Blick richtete sich mit aller Lebenskraft, die ihm blieb, zur Welt von Thule herab, die sich drohend ins Bild schob. Der Imperator wollte etwas gewinnen. Sich eine neue Chance nehmen. Sorzus Syn war klar gewesen, in diesem Traum, den er gehabt hatte, als er allein gewesen war. Ihre Stimme war deutlich gewesen und doch wollte er nicht mehr lauschen. Wenn das Leben eine Flamme war, war er nun Feuer, welches alles verbrannte. Er brauchte kein Öl mehr, um zu brennen. Nicht einmal er selbst verstand noch, was er geworden war. Die Wahrheit über seine eigene Existenz entzog sich dem wachsenden Gott eines schrumpfenden Universums. Kindlich streckte er seine Hand zur Scheibe aus, um sein eigenes Spiegelbild fort zu wischen; denn er wollte sich mit dieser Fratze nicht mehr sehen, die kaum noch unter der Kapuze zu verbergen war. Er war nicht bereit, doch musste es sein. All die Jahre hatte sein Herz nicht mehr mit ihm gesprochen. Doch nun tat dieses Objekt einen Bruch. Vesperum brach mit sich selbst und wusste nicht mehr, wer oder was er war. Sein erlebter Tod nahm nur etwas vorweg, was dem Dienst der dunklen Seite folgte. Klein und doch wachsend war der Samen der Macht, den Vesperum gierig verspeist hatte. Der Sith hatte gesehen, was Lebewesen sich antaten, was sie tun konnten und auch was sie nicht waren. Sein Leben brach zusammen und doch bildete sich etwas aus den Trümmern, was nicht mehr brechen konnte. Die dunkle Seite war ein guter Freund, wie auch Feind; denn sie blieb für Immer, jene Ewigkeit, die für die Jedi Verdammnis war. Vergebens war jede Flucht und allein der Gedanke daran, schien so furchtbar nutzlos für den dunklen Lord. Hatte er noch Hoffnung? Ja, auf etwas, das kommen konnte, gelingen wollte und doch immer weiter in die Ferne fiel. Traurig hingen seine Augenlider herab, wollte den Anblick verschließen. Seine Hand berührte das kalte Glas, spürte den Druck des Weltraumes und die eisige Kälte des Alls, welches nur durch dieses hochwertige Material von ihm getrennt war. Die Kälte fühlte sich passend an. Fast wohlig. Wie ein Zuhause, dass er suchte und ihn erlösen konnte. Er lauschte wieder auf jenes Rauschen, die fremden Stimmen aus der Ewigkeit, welche endlos brandeten. Erlösung war möglich, doch auch für ihn? Unsicherheit, über den Weg und seiner selbst fürchtete ihn. Darth Vesperum fürchtete das Leben. Denn er hatte gesehen, was Leben war. Eine bedeutungslose Abfolge an Einzeleindrücken, sich wiederholenden Ereignissen und Zufällen, die einer Macht unterworfen waren, die sich mit Hohn und Boshaftigkeit über das Leben erhob. Es gab keine Gnade im Leben und noch nicht einmal im Tode. Wie sehr er doch diese Galaxis verachtete, wie sehr er doch alles verfluchte und verdammte. Er hasste mit ganzem Willen und doch war dort etwas, was ihm fehlte. Diese Sehnsucht trieb ihn zur Gier. Hier musste etwas sein. In diesen Welten musste etwas liegen, was es wert war. Wenn die Galaxis keinen Gott hatte, musste er ihnen einen geben, der die Dinge ordnen würde, um endgültig Leben und Tod zu vereinen. Leid würde dann enden. Mit ihm.

Vesperum hatte bereits verloren und doch schien ihm der Verlust seiner Menschlichkeit erträglicher als ein Leben in dieser ungnädigen Scheinwelt aus falschen Werten und Selbstbetrug. Sorzus Syn hatte in allen Dingen Recht, doch blieb Zweifel. Seine Todesvision, möglich und unmöglich zugleich, wollte ihn erwecken. Sein Glauben wuchs, geboren aus den Stimmen seiner Taten und aus dem Wesen der Sith, welches ihm sein Eigen war. Vesperum ließ die Hand von der Scheibe fallen und ein Abdruck seiner Hand blieb im diesigen Dunst aus Schweiß und Nebel daran zurück. Langsam löste sich der Abdruck auf, verschwand in der Kälte des Glases. Dennoch war er nicht bereit. "Saanza," stammelte er müde, wandte sich herum, um auf einen Podest aus schwarzem Kristall zu blicken, welcher einem Quader gleich geschlagen war. Auf diesem rechteckigen Objekt lag die leblose und scheintote Jedi in schwarzer Robe, mit einem Seidentuch aus silberner Farbe auf dem Gesicht liegend, um die Stille erträglich zu verbergen. Vesperum nahm seine Kapuze zurück, um die alte Freundin und Schwester in Gänze zu betrachten, ungehindert durch schwarzes Leinen an seinen Wangen und den Augenwinkeln. "Du warst immer so aufrichtig und so wahr, dennoch haben wir uns verloren," sprach er leise, während er ihre leblose Hand nahm, die kaum Leben in sich trug und doch war dort noch etwas. Die Macht hatte Saanza noch nicht verlassen. "Verloren in diesen Wirren aus Zeiten und Entscheidungen. Es schmerzt, mehr als du dir vorstellen kannst," hauchte er diese Worte in seltenem Leid, welches fern seines körperlichen Schmerzes Menschlichkeit kannte. "Haben wir uns verloren oder ich dich?" - fragte er und legte die Hand seiner Schwester erschöpft ab, denn er konnte ihr hier kein Leben mehr geben. Sie war gefangen durch ihn und seinen Zorn; jenem Fluch, den er gesprochen hatte, ohne es zu wollen. Die dunkle Seite war haltlos gemein und trennte selbst das, was einst Gut war. "Wie soll ich uns retten? Uns retten vor dem, was da kommen mag," entfernte er sich einen Schritt vom Kristallpodest. "Ich habe dir und mir eine neues Universum versprochen, ohne Tod und voller Leben, welches kein Leid mehr kennt. Ich habe dir alles geben wollen und doch...," sprach er weiter in seinem Monolog zur Vergangenheit. "... ist dort diese lange Nacht. Eine Nacht, die mich ruft und der ich allein verpflichtet bin. Ich kann es schaffen, selbst für Amaranthine und uns alle, für mich und dich," stammelte er Wortblöcke zusammen, kaum hörbar aus seinem Mund gebrochen. "Wenn ich dich erlöse, wirst du ein ewiges Leben haben können, da du mir ermöglichen wirst, Wunder zu wirken, die weitaus mächtiger sind als jeder falsche Zauber," schloss er ab und wollte sich gar entschuldigen, dass er plante sie zu opfern. "Ich kann dich durch deinen Tod retten," sprach er ungläubig und mit Zweifel im Gesicht. Er wollte es glauben. Doch seinen Fehler durch eine unsichere Magie auflösen zu wollen, war auch ihm ein zu großes Wagnis. Immerhin ging es hier nicht um bedeutungslose Seelen von Sklaven, sondern um seine einzige Freundin in den Zeiten, die immer zu ihm gehalten hatte. Sie war sein Heiligtum, wenn auch kein Tempel. Sorzus Syn sprach klar und mit einer Weisheit der Jahrtausende in der Dunkelheit. Doch Vesperum, mit dem letzten Herz von Anthorny, wollte nicht hören. Widerstand wuchs brach seine finstere und diabolische Vernunft. Hier gab es keinen Sieg, keine Erlösung, sondern nur Saanza.

Und eine Ewigkeit ohne sie, wäre seine schlimmste Strafe. Ein Verlust, den er sich nicht verzeihen konnte. Es musste gelingen. Denn er wusste, dass die Galaxis ein intriganter Ort war, denn selbst, wenn man dachte, dass Richtige zu tun, konnte dies Konsequenzen haben, die man nicht erwartete. Das Schicksal war falsch. Auch ein altes Ritual konnte scheitern und die Beteiligiten schlicht auflösen, in ein Zeitloch werfen, aus dem es kein Entkommen gab. Vesperum wusste um die Mächte mit denen er arbeitete und wusste auch, wie wenig er eigentlich über sie wusste. Die dunkle Seite war ein endloser Ozean; ein schwarzes Meer, welches niemals ganz überblickt werden konnte. Darth Vesperum hatte noch diese Weisheit, die Mächte nicht zu unterschätzen. Und auch er konnte Fehler machen. Selbst er, der die Realitäten und Horrorvisionen gesehen hatte. Selbst der dunkle Lord kannte seine mögliche Fehlbarkeit. Sie war ihm vor Kurzem offenbart worden, recht deutlich sogar. Würde Glauben ausreichen? Würde die Gewissheit ausreichen, dass er es versuchen konnte? Noch fehlte ihm diese Gewissheit. Nicht im Umgang mit den Mächten, sondern mit sich selbst. Niemals würde er dies zugeben und doch war dieses Eingeständnis in diesem Moment wichtig. Saanza war ein Opfer, welches so groß war, dass es nicht einfach so vollzogen werden konnte. Nicht einfach so geschehen konnte, ohne einen einzigen Gedanken der Reue und des Verstandes. "Admiral," sprach der Herrscher, der kraftlos zum KomKonsole gewankt war. "Bereiten sie meine persönliche Fähre vor." Aus dem rauschenden Kom drang die Stimme des Imperialen: "Jawohl, mein Imperator. Brechen Sie bald auf, eure Majestät?" Vesperum blickte zum Opferlamm seiner Macht. "Ja," hauchte er und ließ den Schalter vom Gerät los, den er mit seinem krallenartigen Finger betätigt hatte. Der Offizier am anderen Ende der Kommunikation bestätigte erneut mit einem höflichen "Jawohl, mein Imperator." Darth Vesperum trat, seine Kraft suchend, zum Podest, um seine Saanza selbst zur Fähre zu tragen, die unweit aus dem kleinen Hangar des Brückenturmes starten würde. Niemand anderes sollte sie anrühren. Es wäre seine Aufgabe und auch gerade in diesen letzten Zügen ihres diesseitigen Lebens für sie als Bruder wachsam zu sein. Mit beiden Armen, unterstützt durch die Macht, hob er die Jedi an und trug sie andächtig zum Schott. Wenige Augenblicke später hob die imperiale Fähre unter Geleit mehrerer TIE-Jäger ab.

Die Fähre setzte auf einem kleinen Bergplateu unweit einer Ansiedlung auf. Es regnete aus schwarzen Wolken. Die Rampe legte sich herab und eine Einheit Sovereign Protectors schwärmte in breiter Formation heraus, um die Umgebung zu sichern. Auf dem Berg befand sich, über einige Stufen, welche schlicht in den Felsen gehauen waren, eine Art Tempel. Vor dem Tempel lag ein Altar, umgeben von vier Säulen, welche durch Sith-Runen geziert wurden. Die Runen begannen zu glimmen, während Vesperum aus dem Shuttle trat; immer noch Saanza tragend. Aus dem großen Tempelportal, jener Pyramide aus kaltem Sandstein, traten mehrere Kultisten in schwarzen Roben, warfen sich vor dem Altar auf den Boden, flach liegend, um ihren Meister nicht anzublicken, der im Unwetter seine Saanza zum Altar hinauf brauchte. Die Garde sicherte ihren Imperator und zwei Rotgardisten folgten ihm auf ehrbarem Abstand. Aus dem Schiff trugen zwei Kultisten, welche mit Vesperum gereist waren, jene geborgene Ritualwaffe. Der Regen begann die Roben zu durchnässen, deren Leinen zwar Widerstand leistete aber unter den dicken und platzenden Tropfen kein Einhalt gebieten konnte. Aus dem Dorf trieben Sturmtruppen einige Zivilisten zusammen, um sie unterhalb des Plateus mit Ketten zu fesseln. Die Ketten wurden in den Boden geschlagen, so dass die Zivilisten, an die 25, eine knieende Position einnehmen mussten. Ihr Wimmern konnte den Regen nicht durchdringen. Vesperum spürte die Macht dieser Welt. Die Sturmtruppen entfernten sich dann einige Meter von den Gefangenen und nahmen eine sichere Position in der Nähe ihres eigenen Shuttles ein, da sie bereits im Vorfeld eingetroffen waren. Thule wirkte. Vesperum legte seine Schwester auf dem Altar ab, der merkwürdig zu knistern schien, da dessen Stein förmlich nach der Essenz der Jedi gierte. In seinen Rissen und Ritzen sammelte sich Regenwasser, welches zu dampfen schien. Ein Donnerschlag durchfuhr den Moment. Man brachte Vesperum die Ritualklinge, enthüllte sie aus dem Stoff und der Sithlord griff beherzt zu, um die Macht der Klinge, welche immer noch um den Wahnsinn in ihm rang, kämpfte. Er hielt die alte Waffe in seiner Linken und entfernte mit seiner Rechten den Schleier von Saanzas Gesicht, welches nun ganz erkenntlich wurde. Es tat ihm weh. Ihre geschlossenen Lider trafen ihn, wie einst der gefühlte Blasterschuss seines Todes. Die Klinge in seiner Linken begann in brutaler Farbe zu leuchten und wollte mit seinem Hass wachsen, sich in den Leib der Jedi stoßen, um ihr Leben zu nehmen. Vesperum atmete ein, suchte seinen Stolz und seinen Mut aber fand ihn nicht. Die niedergeworfenen Kultisten wagten sich nicht zu erheben, sondern sangen nur alte Gesänge, welche monoton im Regen dahinschieden. Darth Vesperum zögerte. Er konnte es nicht tun. "Tue es," schrie eine stille Stimme in seinem Schädel. Es war die Stimme von Sorzus Syn. "Sie wird nur erlöst werden, wenn du es jetzt beendest. Nur durch ihre Macht wirst du das Portal öffnen können, welches ich dir versprochen habe," forderte der alte Geist aus dem Abgrund, welcher in der Ferne in einem blauen Schimmern erschien. Sorzus Syn war anwesend, nur für ihn sichtbar aber sie war hier. Nicht direkt neben Vesperum aber in klarer Sichtlinie vom Altar aus. "Es muss einen anderen Weg geben," murmelte Vesperum, während er die Klinge neben Saanza auf dem Altar ablegte. Sorzus Syn schien erbost, doch ihre Fratze war im Regen nicht klar zu erkennen, da jeder Tropfen ihre Erscheinung zu durchbrechen schien. Das Ritual war einfach, denn es verlangte nur Tod und Willen. Doch Vesperum konnte den Willen und auch den Tod nicht aufbringen. Nicht den Tod von Saanza. Erneut startete er einen Versuch, umgriff er erneut den Griff der Klinge, um diese über Saanza zu erheben, direkt über ihre Kehle und hielt dort inne, in er stehenden Bewegung der Waffe. Es war so einfach und doch so schwer. Nur zu stoßen und das Ritual würde beginnen. Doch es gelang nicht. Etwas blockierte ihn. Sorzus Syn spürte, dass ihr Schützling schwächelte und huschte ohne Bewegung, fast einem Sprung gleich, direkt neben ihn, um seinen Arm mit ihrer dunklen Macht zu umgreifen. Mit beiden unsichtbaren Händen drückte sie langsam seinen Arm herab, immer weiter und Vesperum sah ein, dass er nicht mehr viel Zeit hatte, um seinen Widerstand zum Erfolg zu führen. Saanza war in Gefahr. Das Ritual brauchte Tod und Willen. Mit einer Bewegung, im vollen Bewusstsein, dass er genug Mächte besaß, lenkte er die Waffe an Saanza vorbei in seinen eigenen Bauch und durchstieß seinen eigenen Leib in großen Schmerzen. Es war seine Entscheidung. Er schrie auf und schwarzes Blut quoll aus seinem Mund als die finsteren Mächte der antiken Sith seine Eingeweide durchfuhren. Erneut ein Donnern und jeweils vier Blitze schlugen in die Säulen ein, als Vesperum von einem dunklen Nebel umgeben wurde, der seltsam aus seinen Augen zu wachsen schien. Syn fluchte und jaulte als sie erschreckt im Augenblick verschwand. Machtblitze lösten sich aus seinem Mund als die Energien haltlos wurden und er um dieses Leben ringen musste. Doch im Wesen der alten Rituale lag eine Weisheit, die Vesperum teilte. Alles hatte seinen Preis. Vesperum konzentrierte sich, lenkte seinen unbändigen Willen auf jenen Fixpunkt in der dunklen Seite.

Die Blitze suchten die Leiber der Opfer, welche unterhalb des Altarbereiches angekettet waren, unterstützt von den Blitzen aus den Himmeln, heim und lösten mit einem lauten Schlag ihre Leiber auf. Arme Seelen, die sich in einem grausamen Prozess zu Asche auflösten, bis nur noch ihre Knochen blieben. Die Energien sammelten sich in einem hellen blauen Licht und fielen auf Vesperum zurück, der umher torkelnd, die Energien aufsammelte und in sich einvernahm, dann zog er mit einem Ruck die Klinge aus seinem Bauch und ließ sie achtlos fallen, um mit groben Schritten zu Saanza zu eilen; immer noch voller Pein und Angst, doch mit Zuversicht, sie retten zu müssen. Die Kultisten waren erschreckt aufgestanden und hatten nicht verstanden, was geschehen war aber sahen, dass ihr Meister immer noch lebte und eine andere Art Wunder wirkte, welches auch für sie neu war. Ehrfürchtig fielen sie auf ihre Knie und sangen wieder die bekannten Hymnen der Sith. Mit ausgestreckten Armen, legte er seine Hände auf ihren Bauch, um ihr aus den Lebensessenzen der Veraschten, Leben zu geben und den Bann zu brechen. Natürlich konnte er nicht über jenen Punkt hinausgehen, denn sein Ritual galt vielmehr auch seiner eigenen Rettung aber die Energie begann zwischen beiden zu fließen und verteilte sich zwischen beiden Körpern. Die Bauchwunde des dunklen Lords schloss sich im schwarzen Nebel, der mit jedem Atemzug aus Schmerz verschwand. Schließlich verschwand auch die Energie, löste sich auf und der Imperator lebte und hoffte auch, dass Saanza befreit sein würde. Er hatte diese Macht mit ihr geteilt und ihr das wertvollste Geschenk gegeben, was er bisher anbieten konnte: Leben. Müde sank der Imperator auf seine Knie vor dem Altar, die Hände immer noch auf der Kante des Steines haltend. Die Kultisten verharrten weiterhin ehrfürchtig. Sorzus Syn kehrte lautlos ein und war selbst erstaunt, so dass sie wortlos die Szene betrachtete.



 
Beitrag Beitrag erstellt am Do 18. Mai 2017, 19:45,  Re: Thule

Jedi-Ritterin

Ihre Welt war heil. Sie war klein, aber sie enthielt alles, das Saanza brauchte, um glücklich zu sein. Ihre Eltern, den kleinen Innenhof in der Nähe ihres Häuserblocks und Anthorny. Jeden Morgen wartete sie auf ihn, um gemeinsam mit dem Jungen zur Schule zu gehen. Sie beide waren Außenseiter, jeder auf seine Weise. Doch sie hatten einander gefunden und mit ihm an ihrer Seite schien alles etwas leichter zu sein. Saanza wusste, dass die anderen Kinder hinter ihrem Rücken über sie redeten, weil sie Dinge vorausahnen konnte. Meistens unangenehme Dinge. Doch Anthorny glaubte ihr und stand für sie ein – nur das zählte. Ohne wirklich darüber zu sprechen, hatten sie einander adoptiert und waren Bruder und Schwester geworden. Nun war ihr inniger Umgang so selbstverständlich, als wäre es schon immer so gewesen. Und Saanza hätte es sich nicht anders vorstellen können.
Nach der Schule verbrachte sie oft die Nachmittage mit ihm. Besuchte ihn und seine Mutter, um im Haushalt auszuhelfen und gemeinsam mit ihm die Hausaufgaben zu machen. Genoss die Wärme der Sonne, auch wenn der Himmel über Fondor ständig von industriellen Rauchschwaden gefärbt war, oder verlor in einem der zahlreichen Spiele mit einem alten Ball aus Synthleder. Es störte sie nicht. Anthorny war älter, athletischer und kräftiger als sie. Es ging Saanza nicht darum, zu gewinnen. Nur darum, Zeit mit ihm zu verbringen und ihn glücklich zu sehen.

Wie jeden Tag wartete sie an der Straße auf ihn. Wippte mit leisem Summen vor und zurück – von den Zehenspitzen auf die Ferse – und hatte den Blick auf den Eingang geheftet, aus dem er immer kam. Als Anthorny nach ein paar Minuten immer noch nicht auftauchte, begann sie nervös an ihren Haaren zu zupfen. Noch gab es bestimmt keinen Grund, sich Sorgen zu machen. Sicher würde er sie nur auslachen, wenn sie jetzt an seine Tür klopfte und fragte, ob alles in Ordnung war. Dann nahm sie eine Bewegung im Eingang wahr und ein Stein fiel ihr vom Herzen, als sie sein vertrautes Gesicht erblickte. „Guten Morgen, Schlafmütze!“, kicherte das Mädchen und ging ihm entgegen. „Ich hatte schon Angst, du kommst nicht mehr. Los, beeilen wir uns, sonst kommen wir noch zu spät!“
„Meine Mutter… Es geht ihr nicht gut…“, sagte der Junge mit leiser Stimme. Erst jetzt fiel ihr auf, dass er übernächtigt wirkte. Saanza starrte ihn einige Momente aus ihren violetten Augen an, die so gut zu Fondor zu passen schienen. Spürte erst, wie ihr die Schamesröte ins Gesicht schoss, nur um dann kurz darauf vor Angst blass zu werden. Doch dann fand das Mädchen die Sprache wieder und ergriff fest seine Hand. „Mach dir keine Sorgen“, sagte sie voller Wärme. „Ich bin mir sicher, es wird ihr bald wieder besser gehen. Versprochen!“, fügte Saanza hinzu, als ob sie darauf tatsächlich einen Einfluss hätte. Doch sie hatte nichts Schreckliches gesehen – also musste es wieder gut werden. „Hör zu, nach der Schule komme ich mit zu dir und dann helfe ich dir beim Kochen und beim Saubermachen, damit sich deine Mutter ausruhen kann. Und morgen und übermorgen mache ich genau das gleiche, bis sie wieder auf den Beinen ist. Du musst das nicht alleine durchstehen. Ich bin doch hier!“
Saanza ließ seine Hand los, nur um ihn gleich darauf stürmisch zu umarmen und das Gesicht in seiner Kleidung zu vergraben. Sie wusste selbst nicht, warum ihr auf einmal nach Weinen zumute war. Doch ihre Kehle fühlte sich wie zugeschnürt an. „Also… mach dir keine Sorgen.“ Saanza spürte, wie sein Brustkorb sich regte und hörte von weiter oben ein leises, raues Lachen. Sie hatte ihn zum Lachen gebracht! Anthorny tätschelte ihren Kopf und sie presste sich noch enger an ihn, damit er ihre aufwallenden Tränen nicht sah. „Ich werde immer hier sein.“

Anthornys Mutter gesundete wieder und das Leben ging weiter. Tage wurden zu Wochen und Jahre flossen ineinander. Zeit schien hier keine Bedeutung zu haben. Mal waren sie Kinder, mal Jugendliche und mal an der Schwelle zum Erwachsensein. Nichts schien sich für die beiden Ziehgeschwister zu ändern. Es war wie ein Kreislauf, der immer wieder von vorne begann, ohne dass Saanza es bemerkte. Wie die Unruh eines uralten Chronos, die immer vor und zurück schwang. Den Moment verstreichen ließ, um ihn doch festzuhalten. Wie ein Herzschlag oder ein Atemzug. Dazu verdammt, sich in Ewigkeit fortzusetzen. Ein ewiger Schlaf für die Jedi, die sich dessen nicht bewusst war. Doch wenn man an einem Ort gefangen war, an dem man in eine glückliche Zeit zurückversetzt wurde, konnte man es dann wirklich ein Gefängnis nennen?
Saanza – das Kind, die Frau – saß mit gesenktem Kopf auf einem Steinblock und band sich ihre Haare zu einem geflochtenen Zopf. Sie blickte auf, als sich plötzlich ein Schatten in ihr Sichtfeld stahl und erkannte vor sich die Silhouette von Anthorny. Seine Gestalt, welche die Sonne verdeckte, war von einer seltsamen Korona umgeben, durch sie sein Körper – des Jungen, des Mannes – unerwartet dunkel erschien. Ihr Ziehbruder hatte einen freundlichen, fast aufgeregten Gesichtsausdruck und streckte ihr seine Hand entgegen. „Komm, ich muss dir etwas zeigen!“
„Ich muss dir etwas zeigen“, echoten seine Worte in einer weitaus älteren Stimme, die Saanza einen eisigen Schauer den Rücken hinabjagte. Mit einem Mal verschob sich ihre Sicht und anstelle ihres Ziehbruders sah sie den Schemen eines Mannes, der mehr tot als lebendig wirkte. Rissige Haut spannte sich wie Papier über ein viel zu ausgemergeltes Gesicht, dessen harte Konturen die tiefliegenden Augenhöhlen umso mehr betonten, aus denen glühende Augen direkt in ihre Seele zu blicken schienen. Schwarze Äderchen auf bleicher Haut und klauenartige Hände ließen die menschliche Gestalt geradezu monströs aussehen. Auf den gesprungenen Lippen trocknete dickflüssiges Blut, vermischt mit eitrigem Speichel. Eingerahmt in eine dunkle Robe wirkte dieser Mann wie einem Albtraum entsprungen. Saanza konnte gerade noch einen Schreckenslaut unterdrücken, doch sie entzog Anthorny – dem Mann, dem Monster – ihre Hand und schüttelte heftig den Kopf. „Nein… Das ist falsch.“
„Es war immer falsch gewesen“, erklang abermals ein fernes Echo. Dieses Mal eine Frauenstimme, die ihrer eigenen nicht unähnlich wirkte.
Plötzlich zerriss die Realität um sie herum und aus dem von milchigem Licht gefluteten Platz wurde ein finsterer Kerker. Die Gestalt in dunkler Robe packte Saanzas Kehle mit ihren Klauenhänden, riss sie mit fast übermenschlicher Kraft in die Höhe und ließ sie vor sich wie eine Puppe baumeln. „Ich zeige dir meine Welt!“ Dunkelheit formte sich um sie wie ein undurchdringlicher Nebel, während die Augen des Schattenwesens voller Hass loderten. Saanza rang nach Luft, doch außer einem leisen Röcheln kam kein Laut aus ihrer Kehle. Auch ihre Muskeln gehorchten ihr nicht. Wie in tausend Nadelstichen drang die Dunkelheit unter ihre Haut und lähmte sie, füllte sie mit einer überwältigenden Traurigkeit. Schmerz. Hass. Angst. Verlust. Das Gefühl, sich selbst jeden Moment zu verlieren… Bevor der Nebel ihre Sicht vollends verschleierte, erkannte sie ihn. Erinnerte sich an diese Begebenheit. Das letzte, woran die Jedi sich erinnern konnte…
Was hast du getan … Anthorny?

Das Machtgefängnis, das Saanza in Stasis hielt, formte nun ein anderes Bild. Die Illusion einer heilen, glücklichen Kindheit und Jugend gemeinsam mit ihrem Bruder hatte die Jedi eine Weile lang in Schach gehalten. Doch das idyllische Trugbild hatte nicht verhindern können, dass sich Erinnerungen und unbewusste Gefühle ihren Weg bahnten. Nicht nur Glück hatte die beiden Ziehgeschwister verbunden, sondern vor allem Leid. Leid, das auf ihrem weiteren Lebensweg oftmals Anthorny selbst verursacht hatte. Es hatte ihr Band zu einer Kette gemacht, die sie aneinander schweißte. Im Guten wie im Bösen. Wie Sonne und Mond. Wie zwei Seiten einer Medaille. Das Hin und Her des Pendels hätte nicht ewig während können. Selbst in einer Welt ohne Zeit lag dies nicht in der Natur der Realität. Saanza Herz oder die Macht selbst hatten zarte Hinweise gestreut und schließlich war das Idyll durch eine grausame Wahrheit zerbrochen, wie es so oft in dieser Galaxis geschah…
Doch die dunklen Kräfte wussten zu adaptieren und materialisierten sich in Form eines weiteren innigen Wunsches von Vesperum. Wenn sie schon nicht in die Tage ihrer Kindheit zurückkehren konnten, sollte Saanza zumindest in der Gegenwart an seiner Seite sein. Aus der Schwärze formten sich einzelne Sterne und eine wunderschöne blaugrüne Perle, die von einem zarten Wolkenschleier umgeben war. Saanzas Augen brauchten erst eine Weile, um sich an die spärlichen Lichtverhältnisse zu gewöhnen. Sie stand am Eingang eines Raumes, der zu einem Großteil abgesenkt war und mehrere Arbeitsstationen beinhaltete, an denen imperiale Offiziere routiniert ihren Aufgaben nachgingen. Eine Gangway führte zu einer Reihe von Sichtfenstern aus Transparistahl, welche den Blick auf den Weltraum preisgaben. Dies war die Brücke eines Sternenzerstörers. Die Imperialen schienen sie zu ignorieren, doch eine weitere Person hatte Saanzas Präsenz wahrgenommen. Sie stand am gegenüberliegenden Ende des Raumes vor einem der Sichtfenster und war in eine tiefschwarze Robe gekleidet. Darth Vesperum hob eine eitrige Hand, ohne sich umzuwenden, und bat sie mit dieser Geste stumm an seine Seite.
Saanzas Herz klopfte aufgeregt in ihrer Brust, während sie ihm näher kam. Die Dunkle Seite ging in eisigen Wellen von ihm aus und ließ die Luft um ihn herum spürbar kälter werden. Doch Saanza erschauerte nicht, spürte keine Angst, als sie neben ihn trat. Es war Anthorny – welchen Grund sollte sie haben, sich vor ihm zu fürchten? „Naboo. Sieh es dir an“, sagte seine Grabesstimme und die Hand, die sie eben noch her befohlen hatte, deutete auf die blaugrüne Perle. Saanza folgte seiner Geste, aber ihre Augen mussten ihren Fokus erst auf den in der Entfernung liegenden Planeten einstimmen. Dadurch sah sie für einen Moment ihre eigene Reflektion im Transparistahl. Sie trug eine hochgeschlossene Tunika in dunklem Grau, die locker um ihren Körper fiel und ihre weiblichen Kurven nur wenig betonte. Ihre Haut wirkte unnatürlich blass und feine dunkle Äderchen waren um ihre Augen zu erkennen. An ihrem Gürtel hing ein Lichtschwert mit altertümlichem Griff und ihre blonden Haare waren als Zopf auf einfache Weise hochgesteckt. Nachdenklich tastete Saanza danach und strich eine Strähne aus dem Gesicht, die sich aus dem Konstrukt gelöst hatte. Irgendetwas wollte an dem Bild nicht passen, aber sie konnte nicht sagen, was es war.

Im Weltraum hatten mehrere Sternenzerstörer einen Halbkreis gebildet und hielten auf die Hauptwelt der Neuen Republik zu. „Heute wird die Lüge der Jedi ein Ende finden und die Galaxis die einzige Wahrheit erkennen. Frieden gibt es nicht. Dort unten, irgendwo auf dieser blaugrünen Kugel, lag das Praxeum von Luke Skywalker. Doch der Jedi-Meister und seine Handvoll Schüler und Ritter würden dem Bombardement des Imperiums nicht standhalten können. Dann würde der Erlösung ihres Bruders, ihres Imperators nichts mehr im Wege stehen. „Du hast lange genug gelitten“, sagte Saanza mit einem Anflug von Mitleid in ihrer Stimme. Als wäre dies ihr Zeichen gewesen, begannen die Sternenzerstörer auf Naboo zu feuern und die Welt mit leuchtenden Explosionen zu überziehen. Auf dem sanften blaugrünen Grund des Planeten erwuchsen todbringende Blüten, welche die Oberfläche von Naboo in Asche verwandelten. Die Schreie der Sterbenden, die von den gnadenlosen Kriegswaffen des Imperiums dahingerafft wurden, gellten durch die Macht bis zu ihnen hinauf. Während Vesperum reglos blieb, spürte Saanza ein unangenehmes Prickeln auf der Haut, das die feinen Härchen überall an ihrem Körper aufrichtete. Sie hatte erwartet, dass sich nun ein Gefühl der Erleichterung einstellte. Stattdessen fühlte sie… Bedauern…
„Es ist gut“, begann der Imperator. „Es ist gut, dass du hier bist“, führte ihr Bruder den Satz zu Ende.
„Wo sollte ich sonst sein?“, fragte sie ihn und ein flüchtiges Lächeln glitt über ihre Züge. „Mein Platz ist an deiner Seite.“
„Luke Skywalker hat versucht, dich auf seine Seite zu ziehen und für seine Lüge zu missbrauchen.“
„Skywalker hat versagt“, sagte plötzlich eine andere Männerstimme, voller Hass und Verachtung. Saanza kannte sie, doch sie hatte sie noch nie in diesem Tonfall vernommen. Lee? Irritiert wandte sie den Kopf, um den Ursprung der Stimme auszumachen, als ihre Aufmerksamkeit wieder auf ihr Spiegelbild fiel. Statt ihres eigenen Abbilds war dort ein Mann in dunkler Kluft zu sehen, der ein rot glühendes Lichtschwert in der Hand hielt. Es war Lee Valen – doch der Schmerz, der beinahe greifbar in seiner Aura tobte, passte nicht zu dem Mann, an den sie sich erinnerte. Saanza war so fixiert auf dieses Bild, dass sie nicht bemerkte, wie die Welt um sie herum in der Zeit gefror. Selbst ein endloser Moment konnte angehalten werden. Der Dunkle Lord an ihrer Seite war regungslos wie eine Statue, doch in seinen glühenden Augen lag einen warnender Blick. Vesperums Illusion war unfähig, etwas an dem zu ändern, was sie gerade durchlebte – und dennoch siegesgewiss, dass die erneute Störung nichts an ihrem Zustand ändern würde.

Noch immer konnte Saanza die Schreie in der Macht hören, die durch Leid und Verzweiflung verursacht wurden. Aber ihre Klangfarbe hatte sich verändert. Es war nicht mehr der ganze Planet, der schrie, sondern nur noch… Das Praxeum. Lee stand dort mit gezogener Waffe einem Jedi-Schüler gegenüber, holte mit dem Lichtschwert aus und-- „Lee! Nein, tu es nicht!“, rief Saanza plötzlich und presste ihre Hände gegen den Transparistahl, als könnte sie ihn dadurch aufhalten. Stattdessen musste sie zusehen, wie ihr Freund den Schüler einfach niederstreckte. Plötzlich begann sich das Fenster – ausgehend von ihren Handflächen – mit Rissen zu überziehen, aus denen gleißendes Licht strömte. Entsetzt wich die Jedi einen Schritt zurück. „Was passiert hier?“ Vesperum konnte keine Antwort geben. Doch in jedem Teilstück des gesplitterten Transparistahls wurde ein anderes Bild sichtbar. Gemeinsam erzählten sie eine vollständige Geschichte und zeigten Saanza, was in der wirklichen Welt gerade geschah. Das Licht, das zwischen den Rissen hervorbrach, rührte etwas in ihrem Innersten und erinnerte sie daran, wer sie wirklich war. Es war die Macht. Daran hatte die Jedi keinen Zweifel. Selbst an diesem finsteren Ort hatte das Licht sie gefunden – auch wenn es ihr schreckliche Dinge zeigen musste.
Die blonde Frau sah Lee, der nach Byss aufgebrochen war, um sie zu finden. Der in dunkler Kluft vor Vesperum und ihre eigene leblose Gestalt geführt wurde. Der vor dem Imperator kniete und ihm seine Treue schwor. Der mit einem roten Lichtschwert einen Unschuldigen tötete. Der Anthorny den Standort des Praxeums verriet und anschließend dorthin geschickt wurde, um die Jedi auszulöschen. „Oh, Lee…“ Saanza spürte, wie ihr heiße Tränen die Wangen hinabrannen, als sie zu dem Splitter vordrang, auf dem Lee Valen die Jedi-Enklave betrat und eine Spur aus Chaos und Tod hinter sich zurückließ. Mehrere Wachen und Schüler fielen dem Wüten des gefallenen Jedi zum Opfer, während er weiter vordrang. Meister Ajax Catar wurde von einem Machtschub gegen die Wand geschleudert und blieb dort regungslos liegen. Dion Bresk, der ins Praxeum zurückgekehrt war, stellte sich Lee entgegen und konnte den Dunklen Jedi nach einem kurzen Gefecht bezwingen. Doch er ließ Lee nicht allein sterben. In seinen letzten Momenten war er bei ihm und vermochte sogar noch einmal den Mann hervorzuholen, der Saanzas Freund gewesen war.

Als das Licht in seinen Augen brach, löste sich aus der Kehle der blonden Frau ein Schluchzen und die Bilder verschwanden. Die unvergängliche Zeit durfte weiter fließen und Vesperum wandte sich zu ihr um. Noch immer glommen die Linien im Transparistahl in einem sanften Licht. „Warum hast du das getan? Er war mein Freund!“, fuhr Saanza ihren einstigen Bruder an. Und für einen flüchtigen, verbotenen Moment vielleicht sogar mehr als das. Mit den Ärmeln ihrer dunklen Robe wischte die Tränen in ihrem Gesicht fort, dann schüttelte sie traurig den Kopf. „Das hier ist nicht wirklich. Das hier bin nicht ich“, sagte sie mit Nachdruck und deutete auf ihre dunkle Garderobe. „Ich bin eine Jedi. Das wirst du niemals ändern können. Du musst mich gehen lassen.“
„Nein, du gehörst zu mir“, sagte die müde Stimme von Anthorny wie aus weiter Ferne, obwohl er direkt vor ihr stand. „Ich kann dir eine Welt ohne Leid geben, wenn du es nur zulässt.“ Abermals schüttelte Saanza den Kopf. Zuneigung und Abscheu rangen in ihrem Inneren. „Dafür ist es bereits zu spät.“ Mit einem schmerzvollen Lächeln löste sie die Waffe von ihrem Gürtel und entzündete die Klinge. Das rote Lichtschwert erinnerte sie an ihren ersten Aufenthalt auf Byss. Damals hatte Saanza auf Anthornys Geheiß zum ersten Mal jemanden töten müssen. Die Erinnerung daran konnte er nicht auslöschen – ganz gleich, mit welchem Trugbild er sie und sich selbst zu belügen versuchte. Ihr Herz würde sie immer wieder daran erinnern, wer sie wirklich war und welcher Weg hinter ihr lag. Saanza ging in eine Shii-Cho Ausgangspose. „Sie brauchen mich, Anthorny.“ Sie holte mit dem Lichtschwert aus – und zerschlug den gesprungenen Transparistahl.

Splitter wirbelten durch die Luft und ein höllischer Sog riss Saanza fast von den Beinen. Instinktiv hielt sie schützend einen Arm vors Gesicht, als die Welt sich abermals änderte und die Brücke des Sternenzerstörers sich in einen Thronsaal verwandelte. Als die Jedi den Arm sinken ließ, trug sie wieder ihre schmutzige, zerschlissene Robe, in der man sie nach Byss gebracht hatte. Und doch war Saanza sicher, noch immer in einer Illusion gefangen zu sein. Die Kulisse, vor der sie stand, trotzte allen Regeln der Realität. Oder hast du deinen Wahnsinn tatsächlich in die Tat umsetzen können? Nein, das kann nicht sein. Die Fenster des Thronsaals öffneten sich direkt in den Weltraum. Dort war ein Meer aus Sternen und Planeten aus allen Teilen der Galaxis zu sehen. Sie stand in der Mitte des großen Raumes, dessen Wände von Schatten verschluckt wurden. Saanza glaubte, im Halbdunkel die verdrehten Leichen von Sturmtruppen zu erkennen. Imperiale Banner hingen wie zerfledderte Leichentücher hinter einem Thron aus kaltem Stein. Anthorny stand noch immer vor ihr und wandte sich mit wehenden Gewändern von ihr ab, um schnellen Schrittes in Richtung Thron zu gehen.
„Warum widersetzt du dich mir?“, fragte er wütend. Dennoch wirkten seine Bewegungen fahrig und verbraucht. „Ich kann dir eine Welt geben, in der es kein Leid gibt! Keinen Tod! Keine Zeit! Wir könnten ewig leben und ewig glücklich sein. Du, ich, Amaranthine--“
„Und Lucian?“, schnitt sie ihm mit nüchterner Stimme das Wort ab. „Es bliebe eine Lüge. Ganz gleich, wie real es sich für dich anfühlt.“
„Es wird wirklich sein! Ich kann diese Galaxis erlösen.“
„Indem du Millionen von Wesen tötest und noch mehr leiden lässt?“, schleuderte sie ihm entgegen – unwissend, ob ihre Worte den wahren Anthorny überhaupt erreichten. Doch dieses Machtgefängnis war von ihm erschaffen worden, also musste auch ein Teil von ihm in dieser Illusion stecken. Selbst wenn er sie nicht hören konnte, wollte Saanza nicht einfach stumm bleiben. In gewisser Weise war es sogar einfacher, hier die Worte zu sagen, die ihr in der Wirklichkeit nie über die Lippen gekommen wären.
„Sie alle werden einen Sinn haben, wenn ich erst die Macht habe, die Fesseln dieser Realität endgültig zu sprengen.“
„Dann geht es dir nicht um das Wohl dieser Galaxis, sondern nur um dein eigenes Glück.“ Sie seufzte und schüttelte den Kopf. Wie immer bewegten sich ihre Unterhaltungen im Kreis und in dieser Welt konnten sie bis in alle Ewigkeit dauern. „Du hast Angst, alles zu verlieren – aber wenn du diesen Weg weitergehst, wirst du dich selbst zerstören. Es ist jetzt schon kaum noch etwas von dir übrig...“
„Diese sterbliche Hülle ist ohne Bedeutung. Ich werde sie nicht mehr lange benötigen“, sagte der Imperator mit kalter Stimme und ließ sich auf seinem Thron nieder.
„Lass mich gehen“, bat sie noch einmal mit Nachdruck.
„Nein.“

Plötzlich ertönte ein tiefer, kehliger Gesang, der aus allen Richtungen zu kommen schien. Erschrocken wandte Saanza sich nach ihnen um. Aus den Schatten lösten sich Kultisten in schwarzen Roben, die mit dunkelroten Zeichen versehen waren. Sie gehörten verschiedenen Spezies an, doch weite Kapuzen verdeckten ihre Gesichtszüge. Die Kultisten sangen in einer alten Sprache – der Sprache der Sith – und formten an der Grenze zwischen Licht und Dunkelheit einen Halbkreis um die blonde Frau. „Ich werde sie dir zeigen“ , sagte Vesperum mit erhabener Stimme. „Meine ewige Dunkelheit. Meine Erlösung.“ Der unheilige Gesang schwoll an. Die dunkle Seite wurde stärker und begann, sich in Saanzas Gedanken zu bohren. Mit einem Stöhnen fasste sich die Jedi an die Schläfe. Das hier waren mehr als nur Worte – es war ein Ritual.
Schwarzroter Nebel begann von den Kultisten aufzusteigen, während ihre spärlich erkennbaren Gesichter immer weiter ausmergelten. Haut, Blut und Fleisch vermischte sich als winzige Partikel mit dem Nebel und strebte Vesperum entgegen. Aus einem diffusen Wabern formte sich ein Band der Macht zwischen dem Dunklen Lord und seinen Dienern. Es war pure Lebenskraft. Saanza beobachtete, wie die Kultisten vor ihren Augen dahinwelkten, während der Imperator neue Kraft zu gewinnen schien. Die eitrigen Wunden auf seinen rissigen Händen schlossen sich und die verhärmten Züge seines Gesichts wurden weicher. Doch es war nicht genug. Genau wie bei den Kultisten begann sich sein eigener Körper wieder zu zersetzen und zu transformieren. Mit einem Aufkeuchen sah die Jedi, wie die ersten aus seiner Dienerschaft zu Staub zerfielen – aber im Schatten warteten bereits weitere Kultisten, um ihre Plätze einzunehmen und den schaurigen Choral fortzusetzen. Es war eine endlose Prozession, die gekommen war, um sich der Dunkelheit zu opfern.
Saanzas Atem ging schwerer. Das Gefühl von Tod und Verzweiflung drohte, sie zu ersticken. Dann sah sie, wie die ersten Sterne fielen. In dem unmöglichen Kosmos, der sich hinter dem Thronsaal öffnete, wurden die ersten Planeten von tiefem Schwarz überzogen. Lichtpunkte verloschen und sie konnte fühlen, wie Millionen von Seelen ein letztes Mal aufschrien, ehe sie von der Dunkelheit verschlungen wurden. „Hör auf!“, rief sie entsetzt und starrte auf einen weiteren Planeten, der sich wie brennendes Papier in Asche auflöste. Auch die Energie all dieser Welten strebte Vesperum entgegen und nährte ihn, während die Galaxis draußen dunkel wurde. Doch es war nicht genug. Nichts würde je genug sein – und am Ende würde nichts übrig bleiben. „Du musst aufhören! Anthorny!

Aber er hörte nicht. Er wollte nicht hören. Wie immer waren ihre Worte wirkungslos. Mit schmerzvollem Stöhnen hielt Saanza sich den Kopf und sank auf die Knie. So viel Tod… So viel Zerstörung… So viel Leid… „Bitte“, wisperte sie und fühlte wieder neue Tränen über ihr Gesicht rinnen. „Hör auf.“ Plötzlich wurde hinter dem Imperator ein Glimmen sichtbar. Nur für einen Moment glaubte sie hinter ihm eine Gestalt zu erkennen, die hasserfüllt und hämisch auf sie hinabsah. Wirres, kurzes Haar ragte unter einer Kapuze hervor. Eine Hand ruhte auf Anthornys Schulter, als wollte sie ihn als ihren Besitz ergreifen. Saanza hatte diese Gestalt noch nie gesehen, aber sie wusste, dass etwas Böses von ihr ausging. „Wer bist du?“, sammelte die Jedi noch einmal alle Kraft in ihrer Stimme und kämpfte sich auf wackelige Beine. „Geh weg von ihm!“
Dann traf sie der Blick der Gestalt und mit einem scharfen Schmerz wurde Saanza wieder auf die Knie gezwungen. Der Gesang der Kultisten wandelte sich zu einer infernalischen Kakophonie und hämmerte mit der Macht der Dunklen Seite auf sie ein. Die Asche der gefallenen Kultisten wurde aufgewirbelt und bildete einen tosenden Sturm, in dessen Zentrum sich die Jedi befand. Saanza schrie, als das Gefühl von reinem Hass ihr fast den Schädel spaltete. Der dämonische Wind riss an ihrer Kleidung, ihren Haaren, kratzte wie mit Krallen über ihre Haut und versuchte selbst nach ihrer Seele zu greifen. Die Jedi kauerte sich zitternd zusammen, aber der Sturm wollte nicht abebben. Schrie und weinte, bis ihre Kehle rau wurde und sie keine Tränen mehr in ihrem Inneren fand. Sie hätte eine glückliche Ewigkeit verbringen können, ohne jemals wahres Leid zu kennen. Doch sie hatte dieses Idyll abgelehnt. Sie hätte nach all den Jahren an die Seite ihres Bruders zurückfinden können, doch sie hatte diese Möglichkeit ebenfalls abgelehnt. Nun würde das Machtgefängnis, das Darth Vesperum und Sorzus Syn gleichermaßen geschaffen hatten, keine Gnade kennen. Der dunkle Sturm würde so lange toben, bis ihr Licht verloschen war und nicht mehr als eine leere Hülle von Saanza Cyrodiell zurückblieb – dem letzten Lichtblick des Imperators.

An diesem Ort gab es keine Zeit. Ein einzelner Moment konnte ewig währen und Jahrhunderte in einem Wimpernschlaf vorbeiziehen. An diesem Ort gab es nur Schmerz. „Es soll aufhören“, flehte die Jedi mit aufgesprungenen Lippen. „Ich will, dass es aufhört“, wimmerte sie und wusste dabei nicht, ob sie den Machtsturm oder ihre eigene Existenz meinte. Ihre Eltern, die Schülerin von Byss, Lucian, Zane, Evan, Lee… Wie viele Leben mussten ihretwegen noch ruiniert werden? Vielleicht war es besser, wenn sie an diesem Ort verging. Sie selbst hatte so viel Leid erfahren und dadurch so viele andere ins Unglück gestürzt. Hatte gekämpft, sich widersetzt und war standhaft geblieben. Und wofür? Was hatte sie der Galaxis je Gutes getan? Wie lange wollte sie noch davonlaufen? „Bitte… Lass mich sterben…“ Der Tod würde eine süße Erlösung sein.
Es gibt keinen Tod, es gibt die Macht, kam ihr plötzlich der Jedi-Kodex in den Sinn. Das Credo, an dem sie sich ihr Leben lang aufgerichtet hatte. Gewiss würde es angenehm sein, in der Macht aufzugehen. Vielleicht würde sie dann auch Lucian wiedersehen… Der Gedanke an ihn war tröstlich und der Sturm, der ihrem geschundenen Körper kaum noch etwas anhaben konnte, schien sie für einen Moment weniger zu treffen. Lucian war bei ihrer gemeinsamen Flucht von Byss gestorben, um sie zu verteidigen. Evan hatte ihr auf Hilo beigestanden, kurz bevor man ihn erschossen hatte. Und selbst Lee war gefallen, weil er sie hatte retten wollen. Sie brauchen mich, erinnerte sich die Jedi an ihre eigenen Worte, die sie vor einer Ewigkeit gesprochen hatte. Wie konnte sie jetzt aufgeben, wenn so viele dabei gestorben waren, sie zu beschützen? Es war eine schreckliche Bürde – doch Saanza würde ihrem Opfer nicht gerecht werden, wenn sie sich nun einfach fallen ließ. Der Orden brauchte sie und solange sie noch lebte, gab es Hoffnung.
„Es gibt keine Gefühle, es gibt Frieden“, begann sie den Jedi-Kodex zu zitieren. Ihre Stimme war kaum hörbar und jedes Wort schmerzte, aber sie fuhr unbeirrt fort.
„Es gibt keine Unwissenheit, es gibt Wissen.
Es gibt keine Leidenschaft, es gibt Gelassenheit.
Es gibt kein Chaos, es gibt Harmonie.
Es gibt keinen Tod, es gibt die Macht.“

Wieder und wieder sprach Saanza diese Worte und versuchte, den tosenden Orkan auszublenden. Kämpfte nicht länger dagegen an und gab doch nicht auf, sondern ließ die Dunkelheit ungehindert durch sich hindurchströmen, wie Tinte in einem Fluss. Sie war das Auge des Sturms. Hier würde ihr die Dunkle Seite nicht schaden können. Nach einer kleinen Ewigkeit gelang es ihr, sich aufzurichten und in eine kniende Pose zu begeben – in sich zu ruhen. Ich muss zurück. Sie brauchen mich. Die Macht leuchtete in ihr und wärmte sie in dieser kalten, dunklen Welt. Doch da war noch etwas anderes… So wie das Licht durch das Transparistahl gedrungen war, hatte sich Dunkelheit durch die Risse in ihrem gesplitterten Verstand gestohlen. Pulste mit jedem Herzschlag durch ihre Venen, als wäre ein Teil der Lebensenergie der Kultisten an ihr haften geblieben. Eine weitere Narbe. Eine Erinnerung an diesen furchtbaren Ort. Ich muss aufwachen!
Zittrig kämpfte Saanza sich auf die Beine. Die Haare aus ihrem zerstörten Zopf flossen wie Gold um ihre Schultern. Eine Aura aus Licht hatte sich um sie gebildet, in der einige dunkle Flecken schwammen. Die violetten Augen der Jedi suchten in dem Partikelsturm nach Anthorny und begegneten seinem Blick. Saanza konnte ihn nur verzerrt erkennen, doch es genügte.
„Es gibt keine Gefühle, es gibt Frieden.“ Die endlose Prozession verschwand, der Choral verstummte.
„Es gibt keine Unwissenheit, es gibt Wissen.“ Das sterbende Sternenmeer verfinsterte sich.
„Es gibt keine Leidenschaft, es gibt Gelassenheit.“ Der Thronsaal löste sich auf.
„Es gibt kein Chaos, es gibt Harmonie.“ Der Sturm legte sich.
Nun standen nur noch Anthorny und sie selbst im Nichts.
„Es gibt keinen Tod“, sagte sie sanft und schloss für einen Atemzug die Augen.
Als Saanza sie wieder öffnete, war auch Anthorny verschwunden.
In ihrem Herzen lag das Urvertrauen in das Licht. Sie war bereit.
„Es gibt die Macht!“



 
Beitrag Beitrag erstellt am Fr 26. Mai 2017, 21:21,  Re: Thule

Dunkler Lord der Sith

Niemand konnte ihm helfen. Niemand war wirklich hier. Vesperum stürzte hinab in jenen Abgrund, den er selbst aufgestoßen hatte. Mit jedem Atemzug, der in Schmerz aus seinen Lungen fiel, stieg er hinab. Die Macht pulsierte in ihm und ließ seine pergamentartige Haut noch einmal menschlich glimmen, bevor auch der Tod wieder sein Angesicht auf ihn legte. Er war unheilige Lebende, der nicht sterben wollte. Nicht mehr. Dennoch war der geheime Wunsch nach einem Ende hier. In diesem Atemzug. Es gab keine Rettung und keine Erlösung für Saanza oder ihn. Es gab nur einen Weg hinab. Immer weiter. Sein Traum war in so weiter Ferne, dass allein dieses Gefühl des Sturzes blieb. Umgeben von Mächten, die so krank und doch so allmächtig waren, dass alles aus ihnen erbaut schien. Die Macht schwieg nicht mehr. Seine Taten sangen und schrien in die Ewigkeit, die er suchte. "Ist es das, was du willst? Ist es das, was ich sein soll?" - schrie er lautstark aus ganzer Kehle in den gespürten Regen und forderte wohl die Macht selbst heraus. Hierbei streckte er den Schädel empor und schrie in Pein auf, als die Worte in die Umwelt gehämmert wurden. Wut, Zorn und Hass vereinten sich. Die Augen des Dämons verneinten jede Existenz und wurde in ihrem Glanz zu jenem Abgrund, in den er längst gefallen war. Und doch war er dabei menschlicher als je zuvor. Denn er fühlte wieder. Er fühlte diesen unbändigen Zorn gegen das Schicksal. Nicht nur gegen sich selbst. Nie wieder.

Dennoch war hier mehr als sein Schmerz. Ihr Herz schlug in der geschenkten Kraft. Fest und sicher. Es war nicht nur sein Fluch zu Leben, sondern nun auch ihrer. Er hatte ihr einen Teil seiner Macht gegeben, mit ihm jene Ewigkeit, die einer Verdammnis gleichkam. Die dunkle Seite legte ihre schwarzen Gefieder in kalter Umarmung um die Jedi. Vesperum verlangte es und in diabolischer Gnade gebot die dunkle Seite dieser Jedi Hilfe. Die Mächte durchdrangen auch sie, wenngleich anders als bei ihm. Sie wandelte die finstere Macht in etwas Neues. Und doch war auch dadurch gezeichnet und mit einem unheiligen Makel versehen. Sorzus Syn sah dies und schwieg. Vesperum wusste es jedoch selbst. Er hatte Saanza ihm gleich gemacht. Der Gott eines schrumpfenden Universums, wollte nicht allein vergehen; nicht allein verschwinden und erschuf sich aus tiefer Reue und Hingabe zu ihrer gemeinsamen Zeit, einen Gleichgemachten. Eine falsche Gnade. Somit war auch Saanza für seine Macht wichtig, wie er auch wichtig für ihre Macht wurde. Die beiden Seelen waren nun auf eine Weise verbunden, die einzigartig im Universum war. Es war ein Band aus Fluch und finsterem Schmerz. Die Jedi, im Glauben ans Licht, verkörpte nun jenen Teil; während Vesperum jenen anderen Teil, eben jene Finsternis darstellte. Es war ein tristes Wunder einer gebrochenen Hoffnung. "Ich brauche dich," stammelte er dann, als sein Blick wieder auf Saanza herabfiel. Sie würde nicht verstehen, was er ihr angetan hatte. Die Jedi würde es nicht sehen wollen. Durch sie flossen nun die Energien von einstigen Lebenwesen. Ihre Machtstärke würde wachsen, immer weiter, bis alle Seelen, welche sie erhalten hatte, ihrem Sein neue Gänze gaben. Es war ein böses Ritual, welches er angewandt hatte und nun war auch sie mit Sünde befleckt; ohne Wunsch und Wollen. Doch sie lebte und würde freier sein als er es jemals sein konnte. Denn die dunkle Seite verstieß die Jedi nach der geforderten Gnade. Vesperum sah dies und wusste, in jener Aura lag keine Zukunft für ihn, wenn auch eine gemeinsame Ewigkeit. Er hatte sie mit sich verdammt, zu einer steten Trennung, da sie nun Schatten einer Vergangenheit waren. Umso sie zu retten, hatte er als geopfert, was er bisher hatte und doch zementierte er nur jene Trennung, die sie bereits als Jedi erklärt hatte. Er war Sith und sie Jedi. Die Macht zeigte es ihm deutlich. Das Licht kehrte in sie ein, denn ihre Seele war trotz des Fluches immer noch reiner als alles, was er bisher gesehen hatte. Der Sith wusste, dass sie nicht mehr hierher gehörte. Nicht mehr zu ihm gehörte. Vesperum konnte nur noch eines tun. Einen letzten Akt der Reue, bevor die dämonische Gestalt auch wieder sein Bewusstsein bestimmte. Das Monster in seinem Hunger würde wieder fressen wollen. Und doch war noch ein kleiner Rest in ihm, der betrauerte, was er geworden war. Saanza war ein Stück Hoffnung, vielleicht auch eine Rückversicherung, falls er scheitern sollte. Wenn jene dunkle Macht ihn gänzlich einnahm und er sein eigenes Ziel zu gefährden begann. Indem er sie ihm gleich gemacht hatte, war sie ins Potenzial gesetzt ihn dauerhaft zu vernichten. Als einzige Person konnte sie ihn nun ganz vernichten, indem sie diese Macht, die sie in sich trug, gegen ihn einsetzte. Doch würde sie noch nicht wissen, wie sie es tun konnte. Vesperum würde es ihr auch nicht verraten, denn so verdorben war bereits sein Geist. Doch sein Restherz hatte diese Hoffnung, dass sie eines Tages bei einem Scheitern, ihn anders erlösen konnte. Sein Pfad wollte und musste weitergegangen werden, denn es dürfte nicht vergebens sein. Sein Ziel war zu großartig: Erlösung. Darth Vesperum sah ein, dass jedes weitere Unterfangen für und gegen Saanza bedeutungslos geworden war. Reue zwang ihn dazu, ihr nun Rettung zu sein. Seine Arme untergruben ihren Körper, um sie anzuheben. Das Opfer war erbracht. Die Anhänger des dunklen Gottes verblieben ehrfürchtig zurück. Vesperum stand mit ihr auf und trug sie die Stufen zum Dorf hinab, wo noch jene Hütten standen. Die Sturmtruppen hatten bereits die Bewohner vertrieben. Das Dorf war leer. Der Sith trug seine Saanza, in Absicht ihrer Freiheit, in eine Hütte. Sorzus Syn, der böse Geist, folgte in Abstand und bewunderte diese neue Geschichte. "Vielleicht doch der Sithari," meinte sie und kommentierte auch für ihn hörbar diese Szene. Die Sturmtruppen verneigten sich und sanken auf die Knie, als ihr Imperator mit einer Frau hinabstieg. Der galaktische Herrscher trug Saanza in eine der kleinen Hütten, die nur aus einem Raum bestanden und legte sie auf das nächstbeste Bett. Er deckte sie mit einer einfachen Decke zu und blickte noch auf sie, während er seine krallenbehaftete Hand auf ihr Gesicht legte, um einen alten Sithsatz zu sprechen, der kaum einer modernen Sprache ähnlich war. Doch die dunkle Seite antwortete. Mit einer hektischen Bewegung, suchte er in dem Raum noch einem Flimsi oder einem Pad, auf dem er eine Nachricht hinterlassen konnte. Er fand nichts. "Flimsi," brüllte er aus der Hütte hinaus, welche mit einer einfachen Schiebetür versehen war. "... und einen Stift." Ein Sturmtruppenoffizier verstand und brachte in eiligen Schritten das Gewünschte. Vesperum griff danach, beugte sich über einen Tisch und schrieb jene Zeilen für Saanza:

Zitat:
Liebe Schwester,

est tut mir leid, das ich zu dem geworden bin, was ich heute bin. Ich bin Darth Vesperum. Nichts wird dies mehr ändern. Es gibt keine Erlösung im Scheitern. Ich werde dieses Universum retten und erneuern. Auch für dich. Dennoch musste ich erkennen, dass du diesem Weg nicht folgen kannst. Dieser Weg ist eine Gefahr für dich. Ich fühle Reue. Doch kann ich nicht mehr umkehren. Es ist zu viel getan worden. Es ist zu spät. Doch dich kann ich vorerst schützen, bis zu jenem Tag, wo ich die große Nacht möglich mache. Den einen Traum, den es sich zu träumen lohnt. Selbst die Macht wird sich vor mir beugen. Ich bin dein Darth Vesperum. Lebe und sei frei, bis ich dich holen komme.

Darth Vesperum


Der Sith-Lord positionierte den Brief günstig auf dem Tisch und malte in geübter Hand noch ein Sithsymbol auf die gefaltete Außenseite. Der gefaltete Brief lag nun sichtbar auf der Tischmitte. Mit wahnhafter Seitenbewegung räumte er alle unnötige Dinge zur Seite und warf sie in eine offene Kiste, damit nichts die Sicht auf diesen Brief verhindern würde. Saanza musste ihn finden. Denn bald würde sie aufwachen. Es war seine letzte Chance. Nicht, dass er sich von ihr trennen wollte. Dennoch befürchtete er, dass eine gemeinsame Zeit für beide eine Gefahr darstellen konnte. Wenn sie eine Jedi war, würde sie seine Taten verhindern wollen, und wenn sie derartig verbohrt war, konnte er nicht ausweichen. Er war ein Sith Lord und er musste dem wahren Meister dienen, der dunklen Seite. Natürlich hoffte er, dass er sie überzeugen konnte aber was wäre, wenn es nicht gelang? Diese Möglichkeit und seine eigene Schwäche ließen nicht zu, dass Saanza mit ihm überleben konnte. Mit Mühe hatte er ihr Leben gerettet, nur um es wieder durch ungeschicktes Schicksal zu verlieren?

Bild
Sorzus Syn durchtrat die Wand, wie ein Schatten und manifestierte sich neben Vesperum. "Ich sehe es," meinte sie mit knochiger Stimme, als Vesperum sich vom Tisch abwandte. "Ja," antwortete er verbissen aber mit gebrochenen Worten, die sich am Ende im Nichts auflösten.

"Erst rettest du sie, um sie jetzt zu verlassen?"
"Ich rettete sie, um sie nicht zu verlieren."
"Doch verlierst du sie."

Es war ein Dialog zweier Wesen, die mehr waren; mehr gesehen hatten, als jede andere Person in dieser Galaxis. Beide Seelen waren verloren und doch verband sie etwas, was nicht nur Abhängigkeit war. Anders als zu Saanza, die ihn selbst nicht verstand, hatte Vesperum zu Sorzus Syn eine andere Beziehung. Syn verstand ihn und gab ihm eine okkulte Macht, die alles möglich machen konnte. Ein Wunder, welches nicht vergebens war.

"Ich verliere sie mit mir."
"Du kannst sie besitzen, brechen und gehorsam machen."
"Ich möchte sie als die Person, die sie ist. Nicht als Sklavin."

Syn lachte böse auf und setzte sich an die Bettkante, wo Saanza noch immer bewusstlos lag und blickte ihren Schüler elegant an, ohne wirklich ihr Gesicht zu verziehen oder eine Mimik zu zeigen.

"Ich bin erstaunt. Nicht nur, dass du dich mir widersetzt hast, sondern auch, dass du das Ritual verändert hast. Du hast dein eigenes Sein riskiert, um eine Jedi zu retten."
"Keine Jedi. Eine alte Freundin."
"Deine Seelenfreundin, ich weiß. Aber dennoch hat sie sich gegen dich gestellt. Auch jetzt kämpft sie gegen deine Macht. Selbst in der anderen Welt."
"Was wäre ich, wenn ich jegliche Willkür zeigte? Was wäre ich, wenn ich das aufgeben würde, was mir gezeigt hat, was diese Galaxis ausmacht? Ich kann sie nicht zerstören, nicht aufgeben und wegwerfen. Sie soll leben, durch Zeit begreifen, was ich geworden bin. Und solange sie lebt, habe ich auch hier einen Grund."

"Sie wird es nie begreifen aber ich schätze, dass du in Wahrheit etwas gegen dich richten musst. Etwas erhalten musst, was dir eine Gefahr ist. Ohne Gefahr, ohne Antrieb und ohne Herz in der Sache, würdest du vergehen." Sorzus erhob sich von der Bettkante und blickte auf das schöne Gesicht der Jedi. "Sie ist schön," schloss sie neidisch ab und trat mit unhörbaren Schritten dicht an Vesperum heran, der regungslos verharrte und kaum selbst in dieser Realität bleiben wollte. "Du hast einen Fehler gemacht," erklärte Sorzus Syn, jener schreckliche Machtgeist. "Oder vielleicht auch einen neuen Sieg errungen."

Darth Vesperum fuhr sich ängstlich über seine Handrücken, ließ den Stift fallen, der achtlos auf den Boden fiel. "Ich habe dort gelegen. Ich beobachtete, wie der Gott, den ich geschaffen hatte, starb. Und doch war dort immer etwas. Immer war dort etwas," teilte er eine Vision mit. "Am Ende war ich so kalt, wie die Körper, aus deren Seelen ich ihn geschaffen hatte. Es war Stille und eine solche Stille hatte ich niemals gekannt. Schließlich setzte sich der Staub auf meine aufgerissenen Augen und dort war sie in ferner Distanz, unerreichbar und wandte sich von mir ab." Im Zweifel wollte Vesperum im Scheitern nicht alleine sein. Die Eindrücklichkeit verschiedener Visionen, lehrten ihn eines, dass er selbst im Scheitern nicht einfach vergehen wollte. Er hatte alles dafür getan, nicht einfach zu vergehen. Es war Angst, die seine Lippen zittern ließ. Nicht stark aber beständig bebten sie. Denn es war ihm stets klar, dass wenn er scheiterte, wäre er für eine Ewigkeit allein. Dort war keine Erlösung. Kein Segen für seine Seele, die sich gegen alles Leben gewandt hatte. Der Sith musste siegen. Immer wieder siegen. Seine Erlösung erlaubte keine Schwäche. Sorzus Syn hatte Mitleid mit ihrem Schützling, legte ihm ihre unberührbare Hand auf die Schulter und blickte ihn sorgsam in die Augen. Eine Regung in ihrem geisterhaftem Gesicht. "Du hast deine Macht mit ihr geteilt, nicht wahr?" - fragte sie vorsichtig und trat dann von ihm weg, ließ die Hand wieder fallen.

"Ja," antwortete Vesperum einsichtig. "Ein Fehler," wiederholte Syn seufzend.

"Ich habe eine Ewigkeit und nun auch sie. Wenn ich lebe, kann sie nicht sterben; und wenn sie lebt, kann ich nicht sterben. Wenn wir beide sind, haben wir eine Ewigkeit," sprach Vesperum mit frostiger Stimme, hämmerte diese Sätze in den Raum, ohne zu rufen oder zu schreien. Er stellte klar, dass er eine göttliche Macht gewirkt hatte, um diese Stille zu brechen. Die ertrinkende Seele, riss eine andere Seele mit hinab, in jene Hölle der Zeitlosigkeit. "Und damit gabst du ihr die Schlüssel zu deinem Untergang," meinte Sorzus Syn und Vesperum nickte still. Ein Untergang durch seine einstige Schwester war ein gerechtes Ende, sofern es eintreten sollte. "Sie wird nur nie begreifen, was wirklich hier geschah. Sie wird niemals wissen, dass sie dir gleich ist und aus dem selben Meer schöpft, wie du, mein Schüler." Jetzt war Sorzus Syn ebenfalls klar, warum er sie nicht gefangen halten konnte. Es war eine zu große Gefahr, dass jemand Saanza gegen ihn einsetzen würde. Als Jedi war sie zwar eine Gegnerin aber würde nicht begreifen, welche Macht sie nun wirklich besaß. Solange beide Seelen, jeweils lebten, konnte keine von beiden wirklich sterben. "Eine kluge Änderung des Rituals aber auch eine Veränderung unserer beider Schicksale," sagte Syn und war neidisch auf diese Jedi, die in dieser Sekunde mehr Nähe und Hingabe von Vesperum erntete als sie es bisher konnte. In ihrer Vorstellung hatte nur sie ein Anrecht auf eine Ewigkeit und war nur bereit diese mit Vesperum zu teilen. In dieser kranken Gedankenwelt spielte Gnade nur keine Rolle. Doch Syn verstand das Konzept. Vesperum war emotional betroffen und wenn sie ihn weiter auf dem Weg des Sitharis halten wollte, musste sie akzeptieren, dass auch Saanza nun ein Teil jener bösen Welt war. Vielleicht war er sogar wirklich der geborene Sithari, da er sich selbst zerstörte, neu erschuf und stets mit vorhandenen Vorstellungen brach. Insgeheim hegte sie Bewunderung für diesen Mut, würde dies aber niemals zugeben.

Auch war Saanza ihre Stille derzeit ein Segen. Sie konnte nicht sehen, nicht verstehen, was Vesperum wirklich geworden war. Für viele war er nur ein Tyrann; ein Gewaltherrscher des Imperiums und ein wahnsinniger Religionsführer aber in der Tat hatte er Mächte geweckt, die gefährlicher waren als alles bisher gewesene. Noch kontrollierte er diese Mächte. Noch war; brannte etwas Licht in ihm, was ihm Reue schenkte. Darth Vesperum hatte sich entschieden, dass Saanza, seine Schwester, nicht bei ihm bleiben konnte, da er um sich selbst wusste, dass er selbst eine Gefahr sein konnte. Nein, er würde sie nicht erneut gefährden. Erst, wenn sie soweit war und die Galaxis seinem Wunder ausgeliefert war, dann konnte er offen auftreten und sie holen. Erst, wenn alles machbar war, was er sich erträumte, dann würde er Saanza holen und ihnen eine neue Realität bauen. Eine echte Realität. Sorzus Syn spürte die Belastung ihres Schülers.

"So sei es," äußerte sie abfällig und verschwand in einem diesigen Schwall aus schwarzem Dunst im Nichts. Darth Vesperum, dunkler Lord, trat mit einem Blick zurück auf die Jedi hinaus und atmete erschwert aus. Die Sturmtruppen warteten, auch Jessra, und eine Menge an Kultisten, die auf ihren Meister ehrfürchtig lauerten. Vesperum blickte in die Runde der Lebewesen, spürte noch immer den Schmerz in seinem Bauch und die Energien durchdrangen seine Adern, die in tiefem Schwarz pulsierten. Er blutete im Inneren für Saanza, damit sie bald erwachen konnte. "Jessra," erkannte er seine treue Dienerin. Sie warf sich nieder auf ihre Knie, senkte ihr Haupt und schwieg. "Ich möchte, dass du diese Hütte bewachst und das Menschlein darin zu deinem Shuttle geleitest und es ihr überlässt. Es ist wichtig, dass sie von Thule entkommt. Sehr wichtig," erklärte der Imperator mit geneigter Kopfhaltung, die aus dunkler Macht und gleichsam deren Zerstörung des Körpers erwuchs. Jessra, in dunkler Robe, warf überrascht ihre Kapuze zurück und blickte zum dunklen Lord auf.

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"Mein Lord," erhob sie fragend ihre Stimme. Die Kultisten drängten sich in breiter Masse heran, um den heiligen Meister zu betrachten, der mit einer ihnen bekannten Frau sprach. Sie verstanden ihn nicht und auch die Sturmtruppen schienen nicht wirklich interessiert am Gespräch, da man den Imperator nicht belauschte. "Du wirst danach mit einer Einheit Sturmtruppen zurückreisen, die dich abholen wird," setzte der dunkle Lord fort und musste um jeden Atemzug kämpfen. Das Ritual forderte seinen Tribut, da die Mächte in ihm, bald Willenkraft verlangen würden. Er musste meditieren, um nicht im Wahnsinn zu zerfallen, der bereits rauschend an seinen Schädel schlug. Seine Augen glimmten in der dämonischen Farbe und waren winzig hervorgetreten, als die Augenlider im Grau zurückwichen. Darth Vesperum wirkte nicht gelassen, fast in Rage, während seine Augen merkwürdig zuckten und sich tatsächlich zwei Tränen ihren Weg bahnten. Der Imperator weinte in Wahn und Trauer. Jessra verstand nicht, was an einer einstigen Jedi so wichtig war aber sie wagte es nicht, den Wunsch ihres Lord in Frage zu stellen. Er hatte einen größeren Plan. "Jawohl, mein Lord," antwortete sie also. Vesperum nickte dankend, trat wankend an der dunklen Jedi vorbei und deutete den Kultisten sowie den Sturmtruppen an, abzurücken. Jessra blieb zurück und setzte sich, nachdem der Tross um seine Majestät abgezogen war, auf eine Bank vor der Hütte und warf Steine gegen die Außenwand, während sie selbst ihre Beine gelangtweilt auf einen Tisch legte. Doch die kalte Präsenz des dunklen Lords blieb sogar noch diesem Moment erhalten. Noch immer spürte sie ihn, so dass sie nicht von ihrer Weisung Abstand nahm. Man flüchtete nicht.



 
Beitrag Beitrag erstellt am Di 30. Mai 2017, 12:21,  Re: Thule

Jedi-Ritterin

Saanza schlug die Augen auf.
In einem gierigen Atemzug füllten sich die Lungen der Jedi mit Luft und ihr Körper, der so lange in Stasis gelegen hatte, bäumte sich auf. Rasch brachte Saanza ihren Atem wieder unter Kontrolle, doch es dauerte noch einige Momente, ehe sie sich ebenfalls aufrichten konnte. Ihre Sicht war verschwommen und jede Bewegung ihrer steifen Muskeln fühlte sich an, als müsste sie sich erst durch eine zähe Melasse kämpfen. Als die Jedi sich aufsetzte, spürte sie einen scharfen Schmerz hinter ihren Schläfen und fasst sich mit leisem Stöhnen an den Kopf. Er war längst nicht so stark wie die Pein während des Partikelsturms – oder war sie sich inzwischen nur derart abgestumpft? – und ebbte bald darauf zu einem dumpfen, wenn auch konstanten Pochen ab. Die Dunkle Seite. Saanza spürte sie überall um sich herum. Doch sie war auch … in ihr. Ein kleiner Teil, der ihr sonst so sicheres Licht verdunkelte und wie Tinte durch ihre Venen floss. Was sie im Machtgefängnis gespürt hatte, war ihr also auch in die Realität gefolgt.
Endlich legte sich der Nebel um ihre Gedanken, sodass Saanza ihre Umgebung klar wahrnehmen konnte. Sie lag auf einem Bett unter einer klammen Decke. Ihre eigene Kleidung war feucht und klebte stellenweise an ihrem Körper. Durchnässt vom … Regen, der auf das Dach der kleinen Hütte prasselte, in der sie sich befand. Bin ich nicht mehr auf Byss? Auch dieser Ort war von der Dunklen Seite durchdrungen, aber seine Präsenz war anders. Die Jedi hatte genug Zeit auf diesem Planeten verbracht, war genug von ihm gebrandmarkt worden, um seine Aura zweifelsfrei wiederzuerkennen. Wo bin ich? Saanza ließ die Arme sinken und stutzte, als sie ihre Kleidung erblickte. Sie trug nicht mehr die zerschlissene Robe, mit der man sie gefangen genommen hatte. Stattdessen war sie in die saubere, wenn auch nasse Kluft einer Dunklen Jedi gekleidet. Alarmiert suchte die blonde Frau nach einer Antwort in der Macht. Hatte sie ihr geistiges Gefängnis etwa doch nicht verlassen und war dies nur eine weitere Ebene der Illusion? Nein, es ist die Wirklichkeit. Sie konnte diese Gewissheit in der Macht spüren – und noch ein Zeichen verriet es ihr. Als Saanza schluckte, spürte sie einen Schmerz an ihrem Hals und berührte ihn instinktiv. Ihre Haut reagierte empfindlich unter dem leichten Druck ihrer Finger und die letzte Erinnerung vor ihrem zeitlosen Schlaf wurde abermals lebendig.

Die Jedi machte einen tiefen Atemzug, um die Bilder und Gefühle zu verdrängen, die in ihr aufwallten. Der Schatten des Imperators verschwand, aber ein schmerzhaftes Ziehen blieb in ihrer Kehle zurück. Er war nicht da. Genau wie Byss hätte sie auch seine Präsenz unter Tausenden wiedererkannt. Die Jedi war allein – doch es war nur eine Frage der Zeit, bis sich dieser Zustand änderte. Sie musste herausfinden, wo sie war und wie sie von diesem Ort entkommen konnte. Zurück nach Naboo, zurück zu der Jedi-Gemeinschaft, die von einer Tragödie heimgesucht worden war. Vor kurzem? Sie wusste es nicht zu sagen. Seit dem Tod von Lee – ihrem Freund, ihrem Vertrauten – konnten Stunden oder Wochen vergangen sein. Saanza schwang die Beine über die Bettkante, um sich im Raum umzusehen. Die Hütte war spärlich eingerichtet und außer dem Bett befanden sich nur eine Tisch-Stuhl-Kombination sowie ein paar Aufbewahrungskisten in ihr. Nicht einmal ein Chrono hing an der Wand, das ihr Aufschluss über den aktuellen Tag hätte geben können. Doch auf dem Tisch lag ein zusammengefaltetes Stück Flimsi, das aus der Kargheit des Raumes fast wie ein Leuchtfeuer hervorstach. Der Brief war mit einem Zeichen der Sith versehen und jagte eine neue Welle der Gefühle durch ihren Körper. Selbst die Symbolik der Dunklen Seite erinnert an die Wunden, die sie schlägt. In ihren Anwendern – und ihren Opfern.
Die Jedi prüfte, ob ihre Beine sie schon tragen würden, und setzte sich nach zwei noch immer steifen Schritten an den Tisch. Entfaltete den Brief, erkannte die Handschrift mit pochendem Herzen und las. Schon nach den ersten Worten begannen stumme Tränen zu fließen. Oh, Anthorny… Während Saanza eindeutig Spuren ihres Bruders in seinen Zeilen wiederfand, nannte er sich kein einziges Mal so. ‚Ich bin Darth Vesperum. Nichts wird dies mehr ändern.‘ Er hatte ihr großes Leid angetan – mehr als je zuvor. Mehr noch als an dem Tag, an dem er Lucian getötet hatte. Doch die Erinnerung an ihr gemeinsames früheres Leben – obwohl verklärt und verzerrt – war so frisch, dass es Saanza beinahe das Herz zerriss und sich ein Schluchzen aus ihrer Kehle löste. So sehr sie ihn fürchtete, so sehr wünschte sie den Dunklen Lord gerade an ihre Seite. Wollte ihn anschreien, in den Arm nehmen. Den letzten Funken des Mannes bewahren, der er einst gewesen war. Die Galaxis vor dem Monster retten, zu dem er geworden war – und wenn sie dabei mit ihm in den Abgrund stürzte. Doch ihr eigenes Unvermögen lastete ebenso schwer auf ihren Schultern wie das Gewicht der Dunklen Seite, die ihre momentane Schwäche ausnutzen wollte, um weiter in ihren Verstand zu dringen.

Ausgerechnet das stärker werdende Pochen ließ ihre Gedanken wieder klarer werden und die Tränen versiegen. Auf die Dunkelheit um sie herum reagierte etwas in ihr, auch wenn es nicht aus der Jedi geboren war. Saanza legte eine Hand auf ihr Herz und sondierte ihren eigenen Körper mithilfe der Macht. Sie spürte Dunkelheit in sich. Etwas war zurückgeblieben, von dem sie nur hoffen konnte, dass es mit der Zeit verschwand. Ein weiteres Mal las sie den Brief des Imperators. Suchte nach Antworten und fand doch nur weitere Fragen. Was hast du mit mir gemacht? Die Frage begann mit ihrer Stasis und endete mit der Dunkelheit, die sie deswegen in sich spürte. Doch jetzt war keine Zeit, um sich in Gedanken zu verlieren. ‚… bis ich dich holen komme.‘ Dieser Satz schürte alte Ängste und gab Saanza das notwendige Gefühl von Dringlichkeit, um wieder ganz die Herrin ihres eigenen Körpers zu werden und die Hütte verlassen zu können.
Mit dem Ärmel fuhr sie über ihr tränenfeuchtes Gesicht und verteilte dabei doch nur die Nässe, faltete den Brief mit zittrigen Fingern wieder zusammen und steckte ihn in eine Falte ihrer Kleidung, wo er vor dem Regen geschützt sein würde. Saanza handelte beinahe aus Reflex – noch machte sie sich keine Gedanken darüber, was sie mit diesem Brief anfangen würde und ob es nicht eher ein Risiko darstellte, ihn bei sich zu tragen. Die Jedi sah an sich herunter, doch sie konnte ihr vertrautes Lichtschwert nicht an ihrem Gürtel entdecken. Auch auf dem Bett war es nicht zu finden. Saanza kniete sich vor die Aufbewahrungskisten und durchwühlte hektisch ihren Inhalt. Nicht nur blieb ihr Lichtschwert verschwunden, sie konnte auch keinen anderen Gegenstand entdecken, der ihr bei ihrer Flucht von Nutzen sein würde. Mit einem Seufzen erhob sich die Jedi wieder. Dann werde ich mich wohl auf meine Machtfähigkeiten verlassen müssen. Doch in jene hatte Saanza schon immer größeres Vertrauen gehabt als in ein Lichtschwert. Zumal es leichter war, andere Personen nicht mit ihnen zu verletzen.

Ein weiteres Mal streckte die Jedi ihre Sinne aus, auch wenn es mit einer Verschlimmerung ihrer Kopfschmerzen einherging, um den Schleier der Dunklen Seite zu durchdringen und ihre Umgebung zu erspüren. Außerhalb der Hütte war jemand. Eine weitere machtbegabte Präsenz, die jedoch durch die starke Aura des Planeten kaschiert wurde. Und noch etwas war dort. Saanza hörte es durch den noch immer prasselnden Regen. Ein unregelmäßiges Klopfen, das nicht vom fallenden Wasser stammen konnte. Das unangenehme Gefühl klammer Kleidung würde vergehen, sobald sie erst einmal hinaustrat. Würde man sie aufhalten? Der Imperator… ihr Bruder hatte ihr gesagt, dass sie frei sein sollte. Was auch immer dies in seiner Welt bedeutete. Saanza hoffte, dass eine mögliche Wache sie nicht an ihrer Rückkehr nach Naboo hindern würde. Oder vielleicht ist genau das der Plan. Sie schüttelte heftig den Kopf, fasste sich ein Herz und öffnete die Schiebetür. Draußen schlug ihr frische Luft, geschwängert von dem lieblichen Geruch des Regens entgegen. Neben dem Eingang der Hütte wartete eine Gestalt – eine Frau, eingehüllt in schwarze Kleidung. Dunkle Haare säumten ein blasses Gesicht mit vollen, geschwungenen Lippen. Eine weitere Dunkle Jedi, die Saanza jedoch nicht kannte.
Der dumpfe Schmerz hinter ihrer Stirn flammte wieder auf, doch die Jedi bemühte sich, sich diese Gemütsregung nicht anmerken zu lassen. Erhobenen Hauptes trat sie auf die Frau zu und brachte sogar ein leichtes Lächeln zustande. Sie beide mochten auf verschiedenen Seiten stehen, doch es wäre nicht richtig, ihr jetzt mit Feindseligkeit zu begegnen. Die Dunkle Seite war eine Falle, in die vor allem jene tappten, die in ihrem Leben viel Leid erfahren hatten. Darum musste man ihnen mit Mitgefühl begegnen. Nur so ließ sich das Gift in ihren Herzen neutralisieren, das aus den eigenen negativen Emotionen gewonnen wurde. „Ich grüße dich. Wie ist dein Name?“, fragte Saanza. Es war immer eine gute Möglichkeit, um zu einer anderen Person eine Bindung aufzubauen – und wenn sie noch so schwach war. „Kannst du mir sagen, wo ich mich befinde…“ Sie zögerte kurz. „Und wo ich eine Möglichkeit finde, diesen Planeten zu verlassen?“



 
Beitrag Beitrag erstellt am Do 1. Jun 2017, 20:50,  Re: Thule

NPC-Account

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Was war dies in ihrem Verstand? Es war ein Drang, diese Frau, noch zu töten, solange sie verwundbar war. Sie hatte noch keine Person im vermuteten Schlaf getötet und fragte sich, ob sie noch im Tode ihre Augen aufrissen, wenn sie ihre rote Klinge in ihren Bauch stieß. Tod war eine genügsame Entschuldigung und ein Geschenk für die gequälte Jessra. Vesperum, als Todespriester einer brennenden Galaxis, war ihr wohlgewonnener Meister und Allheiliger, der in ihren Augen eines neues Gebot der tödlichen Gnade verkündigte. Doch war Jessra keine reine Mörderin, doch hatte sie Gefallen am Tod anderer gefunden. Immerhin war sie einst fast getötet worden, wenn Vesperum nicht gewesen wäre. Vesperum hatte ihr mehr geboten, als sie jemals für möglich gehalten hatte. Jessra liebte Vesperum auf eine Weise, die nicht im Sinne einer sterblichen Beziehung stand. Jessra betete Vesperum an und trotzdessen zog sie seine Entscheidung, diese Jedi am Leben zu lassen in Zweifel. Ja, sie hatte seine Macht und das Opfer beobachtet aber verstand nicht, warum das Opferlamm das Opfer überleben sollte? Gut, sie wollte sich auch nicht über ihren Lord stellen aber zweifelte an sich selbst. Der Tötungsdrang wurde größer und größer, da diese Jedi nicht nur einfach eine Feindin war, sondern weil sie in einem besonderen Fokus des dunklen Lords stand. Jessra war schlicht neidisch und in ihrer verdrehten Welt mussten potenzielle Gunstdiebe vernichtet werden. Jessra war abhängig von der Gnade ihres Meisters und wollte alleine seine Wünsche erfüllen, damit er ihr mehr magische Macht zeigte. Sie unterwies und lehrte. Doch dies konnte er nur, wenn er ihr vertraute. Ein Gott würde sich niemals Ungläubigen zeigen. Jessra ging in dieser kultischen Vereinigung auf aber konnte ihre frech-zynische Art niemals ablegen. Jessra hasste diese Galaxis. Für all das, was sie war. Als sie den letzten Stein geworfen hatte, trat tatsächlich diese Jedi aus der Hütte. Jessra erhob sich mit einer eleganten Bewegung ihrer Hüften und trat interessiert, wenn auch mit Verachtung in den Augen, auf Saanza zu. "Jedi, Jedi, Jedi," säuselte die dunkle Jedi böse und schien auf eine Handlung der hübschen Blonden zu warten. Jessra sah in der Aura der Jedi eine neue Macht, die ihr fremd war aber fürchtete diese nicht. Eine Aura war auch nur eine Aura. Der Wille bestimmte das Sein. Insofern glaubte sie an die Lehre der Sith. Dennoch hatte sie einen gesunden Respekt vor der vorborgenen Macht. Jessra stämmte ihre Hand in die Hüfte und betrachtete die geschundene und verfluchte Person vor ihr. Ihr Lächeln wirkte fremd auf die dunkle Jedi. Angewidert spuckte sie einen großen Klumpen Speichel auf den Boden, um zu verdeutlichen, was sie von Jedi hielt. Freundlichkeit wollte sie nicht erfahren. Sie verachtete diese Jedi nun umso mehr. Hier gab es nichts zu belächeln. Lächelte sie vielleicht über sie selbst? Jessra spürte einen brechenden Zorn, der sich mit ihrer Verachtung vermählte. "Mein Name?" - fragte sie biestig und deutete mit einer hektischen Bewegung auf Saanza. "Jessra," antwortete sie dann süffisant und erhob dabei ihre dunkle aber weibliche Stimme. Sie machte ein Statement. Denn sie war Jessra, eine Dienerin seiner dunklen Majestät und damit besser als alles andere in dieser Galaxis. Die dunkle Jedi wirkte arrogant und selbstgerecht. So zeigten es nun auch ihre Augen, die sich selbstherrlich weiteten, als sie einen winzigen Schritt auf die Jedi zutrat, aber noch nicht so nah an sie herangelangt war, dass man von wirklich von einer Augenhöhe sprechen konnte. Jessra hielt gebührenden Abstand zur verachtungswerten Kreatur. Nun wollte sie auch noch wissen, wo sie sich befand. Wieder spuckte sie auf den Boden. "Ist das wichtig, Jediabschaum?" - donnerte sie und ließ den Zeigefinger mitsamt Arm wieder sinken. Ihre Robe wehte im Sturm beständig und auch der Regen tat sein Übriges. Doch Jessra war Regen egal. Vieles war ihr egal, denn sie hatte von einer göttlichen Macht gekostet und wollte mehr sein als dieses kümmerliche Fleisch, welches sie derzeit noch war. "Du willst uns schon verlassen," säuselte sie zynisch, lächelt dann diabolisch und erinnerte sich an die Worte des dunklen Lords, die das Lächeln sofort wieder vertrieben. "Du hast Glück, dass ich dich nicht töten darf, Jedi," erklärte sie und machte damit die Fronten klar. Ja, sie wollte sie töten. Wirklich, zu gerne, denn alles an ihr war widerwertig. Ihre helle Aura, ihre Freundlichkeit und dieses Lächeln aus Mitgefühl. Jessra brauchte kein Mitleid, sondern wollte Stärke. Sie wollte kein Opfer von fremder Gnade sein, denn sie hatte bereits ihren wahren Meister. Die dunkle Seite wollte mehr von ihr und Jessra diente dieser ganz und gar. Diese Jedi lag so falsch und die Verachtung spiegelte sich in der Mimik der dunklen Jedi erneut und dieses mal legte die böse Frau die Hand auf ihren Waffengurt, um zu zeigen, dass sie bereit war, zur Waffe zu greifen; jenem feingearbeiteten Lichtschwert des dunklen Ordens. "Einige Schritte von hier ist ein Shuttle, außerhalb des Dorfes. Es besitzt einen NavCom und kann über einen Pilotendroiden gesteuert werden," sagte sie dann lustlos, fast gelangweilt, als sie aufgab und sich wieder in ihre Rolle fügte. Der dunkle Lord war in seinem Wunsch unmissverständlich gewesen. Hoffentlich hatte diese Jedi eine Verbindung zu einem größeren SInn; einem Plan, den der Meister hatte. Jessra baute auf die Weitsicht und Weisheit des dunklen Lords. Wer war sie schon an seinen Wünschen zu zweifeln? Abgehakt zeigte sie mit einem Handwink in die Richtung und ließ Saanza somit gehen.


 
Beitrag Beitrag erstellt am Do 6. Jul 2017, 18:56,  Re: Thule

Dunkler Lord der Sith

Das leise Geräusch der Technik, ihr beruhigendes Brummen, verschaffte der Stille einen Abgesang. Darth Vesperum befand sich wieder auf Beobachtungsbrücke des Sternzerstörers, blickte hinaus auf den Planeten, während seine Arm ruhig herabfielen und die Hände leicht zitterten. Welche Geheimnisse mochte er entdeckt haben? Im Schmerz, in der Einsamkeit und der kalten Angst, lag eine Weisheit, die sich vielleicht nur wenigen erschloss. Vesperum hoffte in der Dunkelheit etwas zu finden, was einst im Licht gelegen war. Doch dort war nichts mehr, außer ein endloser Weg in einem falschen Mondlicht. Eine gebrochene Sehnsucht nach einem Etwas; nach einem Sinn und einem Lobpreis ferner Gleichheit. Vesperum wollte sich einer Heiligkeit gleichmachen aber scheiterte. Er scheiterte nicht nur an der Macht selbst, sondern schlicht an sich selbst. Seine Lippen formten tonlose Worte, welche aus dem Abgrund entsprangen, indem er sich gefangen sah. Seine Worte waren Geheimnisse, einer anderen Welt, die kaum zu betreten war. Der Gott einer schrumpfenden Allmacht, wollte mehr als nur dieses Vergehen in eine Ewigkeit. Sein Glaube in die dunkle Seite war stark, ebenso, wie sein Zweifel. Thule, eine Welt gezeichnet durch die dunkle Macht, offenbarte in seiner morbiden Schönheit nicht nur eine einfache Wahrheit, sondern zeigte ihm auch das, was er war. Er vermisste Saanza. Ein Gefühl, welches sich durch die Verachtung und den Hass hinauf kämpfte, um präsent und wirkmächtig zu verweilen. Es war eine Flagge an Menschlichkeit, die sich aus einem Grab erhob, um ein leises Hallelujah zu verheißen. Niemand gab ihm einen Hinweis, eine klare Ansicht oder einen Sieg. Alles was war, war er nun und würde er sein. Darth Vesperum versuchte in seiner Ideologie Halt zu finden, in den gemurmelten Siththesen, die einem Hallelujah niemals gleichkommen konnten. Vesperum erinnerte sich an seinen vergangenen Weg. An diesen einen Weg, den er meinte zu beschreiten und all die Größe, die am Ende zu liegen schien. Doch ihm wurde immer klarer, dass sich der Weg mit jedem Schritt zu verlängern schien. Seine Sehnsucht nach Heimat, wie Familie, machte ihn einsam. Eine Einsamkeit, die die Reste seiner Seele band und seine Lippen brüchig werden ließ. Die tonlosen Thesen brachen nicht mehr hervor. Der Imperator schien seiner eigenen Macht beraubt, so hilflos und allein stand er vor der großen Panoramascheibe des Kriegsschiffes und richtete seine dämonischen Augen hinaus, auf die Welt hinab. Doch die Augen waren umschlossen von sensibler Traurigkeit, die gegen die Verachtung ankämpfte, die er sich selbst und anderen antat. Vielleicht war wirklich eine gnädige Macht in der Galaxis, welche einen Ausgleich schuf und am Ende Erlösung verschenkte aber darauf verlassen konnte er sich nicht mehr; nicht nachdem, was er geworden war. Es trieb ihn in den Wahnsinn, dass er nicht mit Sicherheit sagen konnte, was kommen würde. Ob alles einen Sinn haben würde, denn es gab keine Gewissheit in einer Welt der verschiedenen Gesichter und Träume. Je mehr er sah, und je weiter sein Blick reichte, umso chaotischer und wirrer wurde die Realität. Kümmerte es ihn wirklich? Sah er noch einen Sinn? Vesperum verlor sich in Fragen und dem eigenen Irrsinn der Möglichkeiten. Er hatte so viele Möglichkeiten, mit der Macht, die ihm geschenkt war. Mit all seiner bösen Absicht wollte er die Realität formen, verändern und am Ende sogar brechen, um endlich an den Ort zu gelangen, den er ersehnte. Das Böse lag nicht in seinen Taten, sondern in seiner Absicht. In der berechnenden Motivation gegen das Schicksal selbst zu stehen. Vesperum verdammte die Macht, wenn nicht sogar sich selbst, für das, was er noch tun musste. Der dunkle Lord stand allein. So war es immer und doch war dieses Gefühl eine Komplettierung seiner Tragödie. Endlich begriff er, dass die finale Falle der dunklen Seite, genau diese Ewigkeit war. Diese Ewigkeit mit sich selbst. Es würde nichts geben, außer das, was er war. Sein Geist, gewachsen und vergiftet in schwarzem Hass, konnte Alles erreichen aber niemals wirklich teilen, was er war. Alles, was er war, war er durch seine Taten. Er dachte nur an sich selbst. Nicht an das, warum er sie retten wollte. Vesperum dachte nicht an die Welten anderer, sondern nur an seine eigene. Die endgültige Grausamkeit seiner kranken Existenz, die kalte Flamme, die ihn aufzehrte, solange er diese Ewigkeit erdulden musste. Verdammnis erwartete ihn und mit frostiger Akzeptanz war er bereit. Mitunter hoffte er sogar darauf, um eine Antwort zu erhalten. Eine klare Antwort auf das Universum. Bisher sprach keine Stimme aus dem Schicksal verständlich zu ihm. Verdammnis wäre zumindest eine Antwort vom Schicksal auf seine Taten. Doch derzeit schien alles möglich und das Licht schwieg verräterisch. Ein hungrigen Bettler gleich, streckte er beide Hände von sich und betrachtete diese, während die schwarzen Narben in seinen Handflächen in der Haut leicht aufrissen. "Ich bin finstere Samen für dein Leben," stammelte er eine morbide Lyrik zusammen. "Ich bin die Dunkelheit, hinter der du dich versteckst," beendete er die gesuchten Worte und richtete seinen Blick wieder hinauf. Eines Tages würde er Saanza begreifbar machen, was es bedeutete, die dunkle Seite zu suchen. Er würde ihr begreifbar machen, was er wirklich war. Die dunkelste Stunde dieser Galaxis würde ihm gehören und er würde sich an dem Schicksal rächen, dass ihn zu Vesperum gemacht hatte. Der Sith würde nicht mehr flüchten. So wartete er darauf, dass Saanza sich von der Welt Thule erhob, um im Hyperraum zu verschwinden. Vesperum würde warten und sich leise von ihr verabschieden.



 
Beitrag Beitrag erstellt am Sa 8. Jul 2017, 07:36,  Re: Thule

Jedi-Ritterin

Saanza spürte die blanke Abneigung ihres Gegenübers, noch bevor die Dunkle Jedi überhaupt eine Reaktion zeigte. Wie ein anschwellender Ton, dem ein unangenehmes Fiepen beigemengt war, schlugen ihr der Hass und das unbekannte Leid der Frau entgegen. Eine Dissonanz, die unüberhörbar in der Macht erklang und die zerrütteten Barrieren der im Augenblick überempfindsamen Jedi traktierten. Wie eine Stimmgabel, die an gesprungenes Glas gehalten wurde. Die Dunkle Jedi stellte sich als Jessra vor und machte in Worten und Taten deutlich, was sie von Saanza hielt. Die Miene der blonden Frau änderte sich kaum, doch in ihren violetten Augen formte sich Bedauern. Sie hatte nicht erwarten können, dass eine Dienerin der Dunklen Seite sich ihr gegenüber anders verhielt als Jessra es getan hatte. Noch dazu war Saanza jenen Umgangston noch allzu gut von Byss gewohnt. Hatte ihn eine Weile sogar selbst gepflegt, wenn auch nur als notwendige Maskerade. Und doch hoffte sie jedes Mal auf ein besseres Ende, auf eine Abkehr von der Dunkelheit. So vieles konnte sich ändern, wenn man einer anderen Person nur ein wenig Aufmerksamkeit und Zeit schenkte. Versuchte, sie zu verstehen und ihr Leiden zu mindern. War das nicht Aufgabe der Jedi?

Doch im Augenblick war nicht die Zeit, um über derlei Dinge nachzudenken. Saanza konnte sich nur mit Mühe gegen den Einfluss der Dunklen Seite zur Wehr setzen, der sie wie der Regen nach und nach durchtränkte und so ihre geistigen Barrieren schwächte. Jessras Aura stellte eine zusätzliche Belastung dar und sie musste gewappnet sein, falls die Dunkle Jedi doch noch zu einem Angriff überging. Saanza spürte eindeutig die Mordlust, welche Jessra in ihren Worten noch unterstrich. Doch anscheinend folgte sie dem Befehl des Imperators und musste die Jedi daher ungehindert passieren lassen. Saanza empfand darüber Erleichterung – aber auch Bestürzung, da es sie wieder an das Flimsi erinnerte, das sie unter ihrer Kleidung verborgen hatte. Die Jedi fühlte sich nicht für einen Kampf gewappnet, auch wenn ihr Körper äußerst erholt wirkte und ihr der Zugang zur Macht auch auf dieser dunklen Welt überraschend leicht viel. Wundert es dich wirklich? Du hast eine kleine Ewigkeit in ihr verbracht. Die Dunkle Jedi griff an ihren Gürtel, doch zog ihre Waffe nicht. Es waren Drohgebärden, welche den Riss und das Gefüge zwischen den beiden Frauen deutlich machen sollten. Anscheinend wollte Jessra nicht riskieren, auch nur in Teilen den Befehl ihres Imperators zu missachten – auch wenn es ihr offensichtlich schwer viel, nicht sogleich auf die wehrlose Jedi loszugehen.

Saanza stimmte sich auf die Macht ein, um sich falls nötig vor der Dunklen Jedi oder einer anderen Bedrohung zu schützen. Doch sie stutzte, als sie die Beschreibung des Shuttles hörte und folgte der Geste ihres Gegenübers. Jessra verriet ihr nicht, welcher Planet dies war. Aber der Navigationscomputer würde ihr zwangsläufig Auskunft geben, in welchem Teil der Galaxis sie sich befand. Es war eine allzu bequeme, arrangierte Möglichkeit, diesen Ort zu verlassen und nach Naboo zurückzukehren. Doch Lee hatte Anthorny bereits verraten, wo das Praxeum sich befand. Welche neuen Informationen konnte der Imperator dadurch gewinnen, dass er sie derart ausgestattet gehen ließ? Routen, Koordinaten, Kommunikationsprotokolle, ging ihr durch den Kopf. Saanza konnte nicht glauben – oder durfte zumindest nicht naiv davon ausgehen – dass ihr früherer Ziehbruder keine Hintergedanken bei ihrer Flucht hatte. Und wenn es nur darum ging, sicherzustellen, dass sie ihren Zielort auch erreicht hatte. Die Jedi atmete hörbar aus und brachte ihre heraufkriechende Furcht wieder unter Kontrolle. Um diese Sorgen konnte sie sich kümmern, wenn sie den Orbit des Planeten verlassen hatte. Sie musste nicht sofort in den Hyperraum springen, sondern konnte das Shuttle und seine Computer einer gründlichen Untersuchung unterziehen, soweit die Jedi etwas davon verstand.

„Ich danke dir, Jessra. Vielleicht werden sich unsere Wege eines Tages wieder kreuzen.“ Saanza nickte ihr zu, blieb dieses Mal reservierter, um sie durch eine freundliche Geste nicht weiter zu reizen. Es waren neutral formulierte Worte. So das Schicksal es wollte, würden sie einander eines Tages wieder begegnen. Vermutlich noch immer auf verschiedenen Seiten und beim nächsten Mal würden sie vielleicht beide ihre Waffen ziehen. Doch die Macht war immer in Bewegung und ihr Wille nicht immer einfach zu verstehen. Noch einen Moment lang ließ die Jedi den Blick auf der Frau verweilen, die einen so gänzlich anderen Weg eingeschlagen hatte als sie selbst. Dann wandte sie fast ruckartig ihre Augen ab und eilte, Fußspuren im weichen Boden hinterlassend, zu dem imperialen Shuttle, auf das mit blechernem Singsang unablässig der Regen prasselte.



 
Beitrag Beitrag erstellt am Do 20. Jul 2017, 23:27,  Re: Thule

Dunkler Lord der Sith

Niemand gab ihm Nähe, denn niemand war wirklich hier. Vesperum war allein - mit all seiner Macht und seinen bösen Träumen. Immer wieder schien ihm diese Erfahrung gleich. Oft stand er allein vor diesen Fenstern, blickte hinaus ins All oder eine Welt und fand nicht die Erleichterung, die er suchte. Er betrachtete Welten, Sterne und mehr, konnte doch nicht frei sein. Ein Imperium beugte sich vor seinem Willen und doch fand er nicht das, was er brauchte. Der dunkle Lord fühlte eine ehrliche Emotion. Er fühlte sich einsam. Niemand kannte seine wahre Geschichte. Nicht einmal er selbst konnte noch wirklich sagen, was er war und welchen Sinn seine Vergangenheit hatte. Im Zeichen seiner Handlungen und seines Wunsches wurde die Vergangenheit immer kleiner. Seine gemeinsame Zeit mit Saanza. Diese verwundbare Zeit und doch erinnerte sich der dunkle Lord positiv an diese Zeit, denn dort hatte er etwas, was er jetzt nicht mehr hatte. Etwa war zerbrochen und Vesperum wusste nicht, was genau zerbrochen war. Er wusste, dass es das Schicksal war, welches so grausam zwei Seelen entriss und im gleichen Gedanken wurde ihm klar, dass nicht nur die Jedi verantwortlich für diese Trennung waren, sondern auch die kalten Umstände seiner eigenen Entscheidungen. Es gab keine Umkehr. Wohl gab es auch keine Sühne. In der Hoffnung, dass Saanza zu ihm finden würde, wenn die Zeit kam aber diese Zeit lag noch fern. Er ließ sie ziehen, im guten Glauben, dass es das Beste für beide wäre. Und doch war da dieser Schmerz der Einsamkeit. Vesperum war klar, dass er sie verloren hatte. Doch brauchte er sie umso mehr, je kälter die Nacht um seine Seele wurde. Der Sith hatte ihr Macht gegeben, wirkliche Macht aus dem diabolischer Sith-Magie und erst mit weiteren Atemzügen ihres Lebens würde sie begreifen, was er ihr angetan hatte. Im gescheiterten Versuch, Saanza aus seiner geschaffenen Schuld zu retten, hatte er sie ihm gleich gemacht. Nicht gleich im Gesang seiner finsteren Seele, sondern er gab ihr einen Schlüssel zum dunklen Elysium; dem Ort des Verwehens und des Neubeginns. Durch den Tod vieler Seelen, gebunden durch seinen Willen, fand sie Macht und Kräfte, die widernatürlich an sie gebunden waren.

Auf dem Planeten entfernte sich Jessra vom Shuttle, denn sie hatte einen klaren Befehl des dunklen Lords erhalten. Sie beobachtete die Jedi nur, wie sie sich entfernte. Den Abschiedsgruß ignorierte die dunkle Jedi kalt. Was kümmerte sie diese Jedi? Jessra hatte kein Interesse an ihr und sie verstand auch nicht, was der dunkle Lord an ihr fand. Sie wusste, dass sie Teil eines Rituals war aber diese höheren Wissenschaften der Macht waren ihr noch verschlossen. Die dunkle Jedi musste akzeptieren, dass ihr Meister eigene Pläne mit der Jedi hatte. Auch wenn diese ihr persönlich nicht gefielen. Jessra würde noch warten, bis das Shuttle abgehoben war und würde sich zum Abholpunkt begeben, wo ein Sturmtruppentransporter sie aufnehmen würde. Mit einem flüssigen Bewegung legte die dunkle Jedi die Kapuze auf ihr Haupt.

Darth Vesperum spürte, dass sich Saanza bewegte, da sich ihre Position in der Aura des Machtfeldes auf dem Planeten veränderte. Ja, die dunkle Seite erlaubte ihm vieles und nun sah er die strahlende Flamme von Saanzas Lebenslicht, wie ein Leuchtfeucher unter den vielen kleinen Lichtern dieser Welt, im Kontrast zu satten Schwarz des Nichts. Wie kleine Punkte wanderten die Leben umher, umschlungen von der Realität, die sich überlagerte. Doch das eine Licht seiner Saanza überstrahlte sie alle. Der Blick von Vesperum, tendierend zwischen Wissen und Wahnsinn, konnte vieles erblicken aber nun mehr umso deutlicher sehen, was ihm heute allein von Bedeutung war: seine Schwester. Er konzentrierte sich auf ihre Position, die sich schneller veränderte. Sobald sich ihr Shuttle ins All erheben würde, würde er ihr über die magischen Fähigkeiten der Macht eine telepathische Nachricht übermitteln, die allein ihr galt. "Es ist deine Bestimmung, Saanza," sandte der dunkle Meister mit fester Stimme durch das Nichts in die Traumwelten der Jedi, welche bald vorbeifliegen würde. Er selbst verweilte in ruhiger Pose vor dem Fenster, um den Flug zu beobachten und sich definitiv von ihr zu verabschieden. Es war nicht nur ein Symbol, sondern auch ein Geschenk an Saanza, dass sich der an vielen Punkten gebunden sehende Sith Lord, für diese Geste Zeit nahm. Auch war es ihm ein persönliches Anliegen, sich aufrecht zu verabschieden. Nicht nur für Saanza, sondern auch für dieses Gefühl, was er gerade hatte. Diese Einsamkeit war ehrlich. Eine Ehrlichkeit, die er lange nicht mehr gekannt hatte. Sie offenbarte ihm eine neue Weisheit, die ihm noch nützlich sein würde. Doch vorerst galt es, diesen Moment zu erleben, denn Vesperum hatte nicht mehr viel sterbliches Leben übrig.



 
Beitrag Beitrag erstellt am Mo 24. Jul 2017, 09:05,  Re: Thule

Jedi-Ritterin

Die Geräuschkulisse änderte sich deutlich, als Saanza die offene Rampe der wartenden Lambda-Fähre emporstieg. Das Geräusch des Regens wurde dumpfer, stattdessen waren nun ihre Schritte auf dem blanken Metall zu hören. Einige Momente lang hatte die Jedi ein schlechtes Gewissen, den Boden des Shuttles mit ihren schlammigen Stiefeln zu besudeln, dann schüttelte sie den Kopf und wagte sich mit ausgestreckten Machtsinnen weiter voran. Sie konnte keine weitere Lebewesen an Bord wahrnehmen, was sie zunächst beruhigte. Doch obwohl das Raumschiff Schutz vor der Witterung bot, konnte es die dunkle Aura dieses Ortes nicht aussperren. Mit den Händen wischte sich Saanza so gut es ging den Regen aus dem Gesicht und strich sich die Haare zurück. An Bord des temperierten, trockenen Shuttles spürte sie wieder unangenehm die klamme Kleidung. Später.

Die Jedi wandte den Blick in Richtung des Cockpits und ging zielstrebig darauf zu. Wieder hinterließen ihre Stiefel feine Spuren. Zwischen dem Piloten- und dem Co-Pilotensitz stand ein asymmetrisch gebauter RX-Droide, der mit seinen drei Armen einige Kontrollen bediente, ehe er sich zu ihr umdrehte. Saanza hörte hinter sich das Surren und Zischen der Rampe, die sich wieder zu schließen begann. Obwohl dies ihre Fluchtmöglichkeit sein sollte, fühlte sie sich abermals wie in einem Käfig. Doch der mechanische Pilot stellte für sie keine Gefahr dar. Keine direkte zumindest.
„Grüße“, schnurrte die helle Stimme der RX-Einheit, die in Gold, Schwarz und Grau gehalten war. Ebenfalls goldene Reflektoren dienten als Augen, ein weiterer Reflektor in der gleichen Farbe fungierte als Mund und leuchtete jedes Mal auf, wenn der Droide mit ihr sprach. „Sie wurde n bereits erwartet. Bitte nennen Sie die gewünschte Destination und nehmen Sie Platz.“

Saanza antwortete nicht sofort, sondern lehnte sich mit einer Hand auf den Co-Pilotensessel, um einen Blick auf den Navigationscomputer zu erhaschen. Die RX-Einheit drehte einen Kopf wie eine Eule wieder um 180 Grad, um sich erneut den Kontrollen zu widmen. Doch obwohl der Droide nicht über Mimik und Körpersprache nach menschlichem Verständnis verfügte, war offensichtlich, dass er noch auf eine Antwort wartete. Die blonde Jedi zog die Augenbrauen zusammen, als sie versuchte, sich auf der spärlichen Anzeige zu orientieren. „Wo sind wir hier?“ Dieser Planet schien vom Rest der Galaxis geradezu abgeschnitten zu sein. Der nächste vertraut klingende Name, den sie am Rande des Displays gerade noch erkennen konnte, war… Korriban. „Thule“, antwortete der Droide knapp, aber nicht unfreundlich. Offenbar hatte man ihn für militärische Zwecke des Imperiums umprogrammiert und seine heitere Persönlichkeit ein wenig reduziert. „Bitte nennen Sie die gewünschte Destination und nehmen Sie Platz.“

„Thule“, wiederholte die Jedi fast ungläubig. Man hatte sie also wirklich von Byss fortgebracht. Fast ans andere Ende der Galaxis – und auf einen weiteren Planeten, welcher der Dunklen Seite nahestand. Aber wozu? „Das ist ein weiter Weg bis nach Naboo.“ Plötzlich kam wieder Leben in den Pilotendroiden. „Naboo? Ist dies Ihre gewünschte Destination?“ Saanza blickte die RX-Einheit prüfend an und wog ihre Möglichkeiten ab. Wie viel Vorsicht musste sie wirklich walten lassen, wenn Lee bereits eine deutliche Spur zum Praxeum gelegt hatte? Sie konnte nicht riskieren, dass ihretwegen der Jedi-Enklave oder der Hauptwelt der Neuen Republik wieder Gefahr drohte. Doch noch befand sie sich mitten im Nirgendwo und konnte sich nicht auf die vertrauten Hyperraumrouten verlassen, die sie sicher zurück nach Hause bringen würden. Der RX-Doide durfte seiner Aufgabe noch eine Weile nachgehen, doch die blonde Jedi fasste den Entschluss, ihn zu deaktivieren, sobald sie den Enarc Run erreicht hatten. „Ja“, nickte Saanza und ließ sich im Pilotensessel nieder. „Bitte bring mich nach Naboo.“

Sie schloss die Augen und hob ihre rechte Hand in Richtung des Droiden. Ließ die Macht durch sich hindurch fließen und tauchte mit ihrem Geist in die Kabel, Schaltkreise und Mechanik der RX-Einheit hinab. Suchte nach einer Möglichkeit, ihn subtil zu deaktivieren und fand sie. Mit ein wenig Erleichterung lehnte sich die Jedi in die Polsterung des Sessels zurück und lauschte, wie der Droide emsig damit begann, den Kurs zu programmieren und die Startsequenz einzuleiten. „Verstanden. Kurs nach Naboo wird errechnet. Wir erreichen das Ziel—“
Es ist deine Bestimmung, Saanza, erklang plötzlich eine tiefe Stimme in ihren Gedanken. Vertraut. Vertrauter als irgendetwas sonst in dieser Galaxis.
„—Standardtagen. Bitte bleiben Sie sitzen, bis wir den Orbit verlassen haben.“
Ihr Keuchen ging in dem Dröhnen startender Maschinen unter, als Leben in das Shuttle kam. Ein zittern, das die Lambda-Fähre durchfuhr, setzte sich im Körper der Jedi fort, die ein erneuter Strudel aus Emotionen in die Tiefe reißen wollte.

Ohne darüber nachzudenken, zog sie die Beine an und schlang die Arme darum. Den Droiden kümmerte es nicht, dass ihre Flecke auf dem Polster hinterließen. Die vom Regen diesige Umgebung, die Saanza durch das Fenster des Cockpits beobachten konnte, wurde durch erneut aufwallende Tränen noch weiter verklärt. Bist du doch noch immer hier? Warum hast du mich hergebracht? Sie legte eine Hand auf ihr Herz, spürte die Dunkelheit, die daraus hervorquoll. Wie Trübungen im Wasser einer Quelle. Was hast du mit mir gemacht? Ein Ruck ging durch das Schiff, als die Lambda-Fähre vom Boden abhob und Kurs auf den Orbit nahm. Als es die Wolkendecke und damit den Regen durchbrach, wurde es still und schon vermisste Saanza das vertraute Geräusch des Regens, das ihre Gedanken nicht ganz so laut hatte klingen lassen. Es ist wirklich. Ich bin wach, sagte sie sich selbst, während der Planet unter ihr immer kleiner wurde. Vor dem Kosmos als Kulisse wirkte auch der Einfluss der Dunklen Seite deutlich schwächer, aber die Jedi konnte ihn noch immer spüren. Wie ein Schleier, der sich über den Planeten gelegt hatte. Bestimmung. Was meinte er damit? Im Orbit kam in der Ferne ein Sternenzerstörer in Sicht, der regungslos im Nichts schwebte. Die Jedi hob den Kopf und sah ihn an. Hoffend, fürchtend. Wissend.



 
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